Kochbuch-Potenziale für Hotels & Restaurants: Mehr als ein Souvenir

Jamie Oliver, Tim Mälzer, Frank Rosin – die berühmten TV-Köche beanspruchen mit ihren Kochbüchern die Aufmerksamkeit von Feinschmeckern und Kochfans. Doch warum sind es fast immer Stars, die Kochbücher nutzen, um ihre Geschichten und Rezepte zu erzählen? Für Hotels und Restaurants kann das eigene Kochbuch weit mehr sein als bloße Werbung: Es vereint PR-Charme, Alleinstellungsmerkmal und Verkaufsprodukt. In Häusern mit echten Genusserlebnissen wirkt so ein Buch direkt am Gast. 'Ein Hotelbuch oder Kochbuch ist eines der langlebigsten Marketing-Tools überhaupt', meint PR-Experte und Autor Alois Gmeiner.

heute 09:58 Uhr | 5 mal gelesen

Wenn irgendwo in Wien wieder ein neues Kochbuch aus der Sterneküche blinkt, zuckt keiner mehr groß zusammen. Doch irgendwie ist der Gedanke seltsam: Wieso beschränken sich nur TV- und Starköche auf diese Bücher als Medium? Dabei schlummert gerade in individuellen Hotellerie- und Restaurant-Kochbüchern gigantisches Potenzial. Sie sind weit mehr als hübsche Imagebroschüren. Wer einmal ein Hotelbuch in der Hand gehalten hat, ahnt, was damit alles möglich wird – Identität zeigen, Stammgäste binden, Mundpropaganda generieren. In einer Welt voller Flyer, die ohnehin im Müll landen, bleibt ein sorgsam gestaltetes Kochbuch auf dem Couchtisch liegen – ein ehrlicher, stiller Markenbotschafter. Manche meinen, das koste zu viel. PR-Mann Gmeiner widerspricht: 'Auf die Jahre gesehen ist das Buch nachhaltiger, sympathischer und ein echter Umsatzbringer.' Es gibt erstaunlich wenige Gastgeber, die darauf setzen. Wer’s probiert, erlebt schnell, dass sich die Investition nicht nur über Rezeptverkäufe amortisiert, sondern über Beschwerden, Erinnerungen und mediale Berichterstattung hinausstrahlt. Klar, so ein Buch erzählt von Zutaten, Menschen und Geschichten. Aber manchmal ist es das Leise, Unaufgeregte, das sich bei Gästen (und später vielleicht deren Freunden und Bekannten) festsetzt. Übrigens: Eine kleine Anekdote am Rande – ein Hotelier aus dem Allgäu berichtete, sein Kochbuch habe Stammgäste animiert, allein für dessen Signierstunde anzureisen. Soviel zu unterschätztem Marketing...

Immer noch ist es fast schon Tradition, dass Kochbücher vor allem von Fernsehköchen als Vehikel für Selbstdarstellung, Vermarktung und Imagepflege genutzt werden. Dabei liegt im Publikum und in den Betrieben selbst enormes Potenzial für einzigartige, persönliche Kochbücher, die nicht nur als Souvenir, sondern als authentisches und nachhaltiges Marketing-Instrument wirken. Individuell gestaltete Bücher schaffen einen Mehrwert für Gäste, generieren Medienaufmerksamkeit und stärken die Identität von Restaurant oder Hotel – oft mit deutlich größerer Wirkung als klassische Prospekte oder Werbeflyer. Neuere Recherchen zeigen außerdem: Der Buchmarkt für kulinarische Nischenthemen wächst, viele Kunden wünschen sich regionale Rezepte, persönliche Geschichten und Einblicke hinter die Kulissen (oft sogar lieber als das hundertste Starkoch-Buch). Der Trend geht dahin, dass auch kleinere Betriebe ihre Erfahrungen, Lieblingsgerichte und kleinen Geheimnisse als Print- oder E-Book teilen – als sichtbares Zeichen von Kreativität und Wertschätzung. Laut Medienberichten möchten Gäste heute verstärkt etwas 'mit nach Hause nehmen', das mehr bietet als reine Werbung; sie erwarten Authentizität und Persönlichkeit. (Aktualisierung Stand Juni 2024: Der Buchmarkt insgesamt wächst weiterhin im Segment der Genuss-Titel, vor allem personalisierte Produkte und regionalspezifische Bände sind gefragt. Digitale Angebote als Erweiterung zum Printprodukt setzen sich langsam durch, etwa QR-Codes im Buch für exklusive Videoanleitungen oder Online-Events mit dem Küchenchef. Für Gastronomen ergibt sich daraus eine spannende neue Schnittstelle, um ihren Gästen Erinnerungen, Loyalität und ein Stück 'Zuhause-Gefühl' anzubieten.)

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