Es ist kein Geheimnis mehr: Wer in Deutschland Zigarren produziert oder importiert, befindet sich auf einem Drahtseilakt. Bodo Mehrlein, Geschäftsführer des Bundesverbands der Zigarrenindustrie, bringt es auf den Punkt. Klassiker wie Zigarren und Zigarillos verlieren seit Jahren schleichend an Boden; das Jahr 2025 bringt ein weiteres Stück Verunsicherung. Die wirtschaftliche Flaute in Deutschland und eine spürbare Konsumzurückhaltung drücken nicht nur auf die Lust am Genießen, sondern auch auf den Umsatz. Besonders alarmierend: Der langfristige Blick offenbart, dass fiskalische Eingriffe, also Steueranpassungen und Definitionen, den Sektor mittlerweile auf Bruchteile seines früheren Volumens gestutzt haben. Seit 2007 ging’s um über 60 Prozent runter – klingt trocken, ist aber ein realer Kahlschlag.
Trotz dieser Entwicklungen bleibt Zigarrenrauch – möglicherweise ein Anachronismus, aber einer mit Anstand – eine Nische für Genießer, die sich bewusst Zeit nehmen. Und als sei das nicht schon Herausforderung genug, schwebt jetzt der nächste Hammer über der mittelständischen Industrie: Die EU-Kommission will die Mindeststeuer auf Zigarren von 12 auf 143 Euro hochschrauben. Über 1000 Prozent mehr – das liest sich ein bisschen wie ein schlechter Scherz, ist aber bittere Realität. Mehrlein warnt eindringlich: Solch drastische Aufschläge bedrohen nicht nur kleine Betriebe, sondern auch ein ganzes Stück europäische Kultur und Handwerkskunst.
Sein Appell: Bleibt bitte beim deutschen Modell! Die bisherigen Regeln funktionieren – anspruchsvoll, aber überlebbar. Neue Maßnahmen seien in Bezug auf Jugendschutz und Schmuggel für Zigarren weitgehend wirkungslos; diese Produkte haben keine Jugendprobleme, ihr Publikum ist älter und konsumiert bewusst. Genau hier verlangt der Verband nach Augenmaß: Wer den Tabakmarkt reguliert, soll Differenzierung wagen – muss das schaffen, sonst gehen mehr als nur Steuereinnahmen verloren. Nur persönliche Randnotiz: Wer je eine gute Zigarre versucht hat, weiß um die Ritualhaftigkeit und den Unterschied zur Zigarette. Industriekultur ist manchmal näher an Kleinkunst als an Massenware.
Der deutsche Zigarrenmarkt durchlebt 2025 einen anhaltenden Niedergang, beeinflusst von schwacher Konsumstimmung und langjährigen steuerlichen Belastungen. Insbesondere die geplante EU-Steuererhöhung könnte die Existenz zahlreicher mittelständischer Hersteller bedrohen und ein traditionsreiches Genussmittel an den Rand drängen. Während der Bundesverband der Zigarrenindustrie Ausnahmeregelungen für Zigarren und Zigarillos fordert, um Arbeitsplätze und Kultur zu schützen, spitzt sich die politische Debatte über Tabakregulierung und Steuergerechtigkeit weiter zu, wobei inzwischen auch Experten warnen, dass zu drastische Steuermaßnahmen zu Schwarzmarkt und Marktzusammenbruch führen könnten.
Ergänzende Recherche: Laut "FAZ" betrifft die Zurückhaltung beim Konsum derzeit viele Luxus- und Genussgüter, nicht nur Tabak, wobei steigende Lebenshaltungskosten entscheidend sind. "Spiegel Online" berichtet von einer breiteren Steuerreform-Diskussion auf EU-Ebene, die auch E-Zigaretten und neuartige Tabakprodukte betrifft, und warnt vor den Folgen für kleine und spezialisierte Hersteller. Die "Süddeutsche Zeitung" thematisiert zudem die Gefahr, dass zu hohe Steuern den Schmuggel befeuern und letztlich dem Fiskus schaden könnten. Diese Perspektiven bestätigen: Der Zigarrenmarkt steht unter erhöhtem Veränderungsdruck zwischen politischem Willen und marktwirtschaftlicher Realität.