Erstaunlich, wie wenig das Thema im Alltag ankommt, obwohl die Zahlen ziemlich drastisch sind: Innerhalb von zwanzig Jahren ist die Zahl der Unternehmen in der Lebensmittelverarbeitung in Deutschland um fast die Hälfte eingebrochen – insbesondere im klassischen Handwerk, also bei Bäckereien und Metzgereien. Parallel dazu entwickeln sich Großkonzerne zu regelrechten Monstern: 795 große Player vereinen inzwischen mehr als 80 Prozent des Umsatzes auf sich, während sie nur einen Bruchteil der Firmen insgesamt ausmachen. Die Folgen? Mehr Abhängigkeit vom Funktionieren weniger Strukturen, weniger Vielfalt, und (man möchte es kaum missen) ein immer größer werdender Anteil an industriellen Fertigprodukten, die mit Zucker, Salz und Zusätzen nicht gerade als Garanten für gesunde Ernährung gelten. Die Forscher um Arnim Wiek kritisieren deshalb deutlich: Weder Fördermaßnahmen noch Regulierung der letzten Jahre hätten diesen Trend stoppen können. Nötig seien echte, grundlegende Veränderungen – ganz konkret vorgeschlagen werden etwa die gezieltere Förderung kleiner Handwerksbetriebe, eine Überprüfung und Anpassung der politischen Programme und das konsequente Gegensteuern gegen reine Symptombekämpfung. Ob das Gehör findet? Zweifel kommen einem da durchaus.
Die ernüchternden Resultate der Freiburger Analyse zeichnen ein Bild massiver Industrialisierung und Zentralisierung in der deutschen Lebensmittelbranche. Kleine und mittlere Unternehmen sowie handwerkliche Betriebe geraten zunehmend ins Hintertreffen, was nicht nur ihre Existenz gefährdet, sondern die gesamte Ernährungskette störanfälliger werden lässt. Zusätzlich warnen Fachleute anderer Institute im Zusammenhang mit dieser Debatte vor Versorgungsengpässen, gestörter Widerstandsfähigkeit in Krisenzeiten und einer allgemein sinkenden Lebensmittelqualität – nach Recherchen der ZEIT und taz bestätigen weitere aktuelle Studien, dass sich die Konzentrationstendenz weiter verschärft hat. Laut taz wird in politischen Kreisen zwar über Anpassungen diskutiert, echte Umsetzungsschritte fehlen jedoch bislang. Verschiedene NGOs wie Foodwatch oder Slow Food fordern daher ebenfalls eine Stärkung regionaler, nachhaltiger Produktion und einen gezielten Schutz handwerklicher Strukturen. Mehr denn je wird das Ernährungssystem als gefährdetes „öffentliches Gut“ betrachtet, das nicht leichtfertig dem freien Markt ausgeliefert werden sollte.