Weimer meint, die AfD wird vermutlich die absolute Mandatsmehrheit bei der Landtagswahl nicht erringen – das heißt konkret: Ohne Mehrheit keine Machtoption. Eine bemerkenswerte Nuance: Nach seiner Lesart muss man einfach davon ausgehen, dass der amtierende Ministerpräsident auch mit verlorener Wahl bleibt, solange sich im Landtag keine neue Mehrheit auf einen Nachfolger verständigt. Im Prinzip muss sich nichts ändern, solange niemand gewählt wird. „Dann ist die Regierung eben weiter im Amt,“ so Weimer schnörkellos. Verfassungsrechtlich sind Ministerpräsident und Kabinett verpflichtet, bis zur nächsten offiziellen Amtsübernahme geschäftsführend weiterzumachen; der Landtag kann sich durchaus Zeit lassen – für die erste Wahl gibt es nämlich keine Frist. Kommt’s zu keiner Mehrheit, folgt binnen sieben Tagen ein weiterer Versuch, dann, wenn’s wieder nicht klappt, bleibt ein Zeitraum von vierzehn Tagen, um zu entscheiden: Wählen oder Neuwahlperiode. Im letzten Wahlgang reicht dann die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Weimer sieht außerdem – fast schon launig – keine Chance auf CDU-AfD-Kooperation: „Lässt du die Tür offen, kommt der Mief rein“, bemerkt er lakonisch. Er habe volles Vertrauen in die CDU Sachsen-Anhalt, dass sie standhaft bleibt. Die Umfragen sehen die CDU aktuell hinter der AfD; am 6. September wird gewählt. Die Nervosität wächst – nicht nur in Sachsen-Anhalt selbst, sondern auch mit Blick auf die parallelen Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Laut Weimer werden AfD-Erfolge in Regierungsoptionen in keinem der drei Länder Wirklichkeit: „Die AfD wird am Ende überall wieder zurückfallen.“
Interessanterweise betont Weimer die verfassungsrechtliche Kontinuität, die es einer abgewählten Regierung erlaubt, geschäftsführend zu bleiben, solange sich keine neue Mehrheit findet. Damit stellt er die Möglichkeit einer Regierungsstagnation nach der Wahl in den Vordergrund – ein durchaus realistisch wirkendes Szenario, wenn Parteien wie die AfD trotz Wahlerfolgen isoliert bleiben. Die CDU in Sachsen-Anhalt steht aktuell unter erheblichem Druck, da sie in Umfragen hinter der AfD liegt; dennoch scheint eine Regierungsführung durch die AfD laut mehreren politischen Beobachtern kaum möglich, solange die Brandmauer zwischen demokratischen Parteien und der AfD hält. Weimers skeptischer Blick auf eine mögliche Öffnung der CDU zur AfD spiegelt auch den gegenwärtigen Kurs der Bundespartei wider. In der aktuellen politischen Berichterstattung betonen zahlreiche Analysten die Herausforderungen, vor denen die etablierten Parteien stehen, insbesondere im Umgang mit einer erstarkenden AfD und gesellschaftlicher Polarisierung. Außerdem hat die Debatte um die Stabilität von Minderheitsregierungen, geschäftsführender Amtsführung und möglichen Neuwahlen zuletzt nochmals Fahrt aufgenommen, insbesondere angesichts der Ungewissheiten nach der bevorstehenden Wahl.