Kubicki: Gespräche mit AfD gehören dazu

Wolfgang Kubicki, designierter Chef der FDP, scheut nicht den Austausch mit AfD-Vertretern und stellt sich öffentlich gegen Ausgrenzung.

heute 17:03 Uhr | 5 mal gelesen

„Natürlich rede ich auch mit Vertretern der AfD“, ließ sich Kubicki im ARD-Interview für das 'Interview der Woche' zitieren. Für ihn sei es wichtig, auf Dialog statt Abschottung zu setzen – auch wenn das nicht überall gut ankomme. Nach wie vor führt er als ehemaliger Bundestagsvizepräsident in den Sitzungswochen zahlreiche Gespräche in Berlin. Insgesamt sei die politische Stimmung angespannt, viele seien ratlos angesichts des wachsenden Zuspruchs für die AfD. Die Strategie der Ausgrenzung habe klar nicht das gewünschte Ergebnis gebracht; im Gegenteil: Die AfD profitiere davon. Kubicki, der beim kommenden Parteitag zum neuen FDP-Chef gewählt werden will, stellt aber klar: Die Zukunft sieht er eher bei Persönlichkeiten wie Linda Teuteberg oder Nicole Büttner. Dem Nachwuchs will er dabei kritisch auf die Finger schauen – die Präsenz in Öffentlichkeit und bei Verbänden sei entscheidend. Er kritisiert außerdem das abgehobene Politikersprech, das viele Menschen mittlerweile abschrecke. Seine berüchtigten Spitzen gegenüber dem Kanzler – etwa der Eierarsch-Vergleich – wolle er aber nicht wiederholen, auch auf expliziten Wunsch des Kanzlers. Kubicki bleibt dennoch hart in der Sache und kritisiert offen den Umgang der Union und von Friedrich Merz mit den Wahlergebnissen sowie den wachsenden Einfluss der AfD. Der Kanzler, so Kubicki, müsse klare Kante zeigen und seine Richtlinienkompetenz entschiedener nutzen. Würde die SPD sich aus der Regierung verabschieden, stünde sie seiner Ansicht nach politisch im Abseits. Was seine eigene Zukunft angeht, schließt Kubicki ein dauerhaftes politisches Engagement nicht explizit aus – deutet aber offen an, dass ihn ein entspanntes Leben auf Mallorca durchaus reizt.

Kubicki plädiert unerschrocken dafür, mit der AfD zu reden, statt die Partei weiter zu isolieren. Er betrachtet den Umgang vieler etablierter Parteien mit der AfD skeptisch und sieht in bisherigen Maßnahmen eher einen Verstärker ihrer Zustimmung. Kritisch blickt er auch auf den Zustand der FDP und die politische Kommunikation in Deutschland, plant aber, die Parteiführung einer jüngeren Generation zu überlassen. Jüngste Recherchen zeigen, dass aktuell die Debatte um den Umgang mit der AfD viele Parteien beschäftigt. Die taz berichtet etwa über neue Strategien im Bundestag, mit rechten Kräften konstruktiver, aber klar abgrenzend umzugehen. Zeitgleich verzeichnet die AfD laut aktuellen Umfragen weiterhin stabile bis steigende Zustimmungswerte, wie Spiegel und FAZ berichten, was das Dilemma demokratischer Parteien verstärkt. Außerdem wird, gerade nach dem jüngsten Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt, heftig über gemeinsame Auftritte und Kontakte debattiert – die Presselandschaft ist hier gespalten zwischen Dialog-Befürwortern und jenen, die klare rote Linien verlangen.

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