Es wirkt fast surreal, wenn man bedenkt, mit wie vielen Klassikern und TV-Produktionen die Bavaria Film über Jahrzehnte deutsche Mediengeschichte schrieb – darunter Riesen wie "Das Boot" oder "Die unendliche Geschichte". Nun aber, nach monatelangem Ringen, kommt der große Schnitt: Das Unternehmen wird auseinandergenommen. Ja, das klingt harsch – aber so drückte es Christian Franckenstein, der Chef der Geschäftsführung, gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" fast schon nüchtern aus. Nach zähen Diskussionen haben die entscheidenden Gremien – Aufsichtsrat mit WDR-Programmdirektor Schönenborn und die öffentlich-rechtlichen Anteileigner plus Bayern – zugestimmt.
Künftig gibt es zwei Bereiche: Einmal die reine Produktionen, einmal alles rund um Immobilien und Studios. Bei Letzterem sollen jetzt externe Investoren an Bord geholt werden; ein Verkaufsmakler sucht schon mögliche Kandidaten. Die bisherigen Strukturen galten wohl zunehmend als zu schwerfällig für den modernen Wettbewerb; ähnliches spürt auch das mittlere Management, das sich mehr Beweglichkeit wünscht. Auffällig ist: Die Zahlen waren zuletzt zwar solide, aber stattlicher Glanz fehlt – Umsatz 2025 etwa wie im Vorjahr mit rund 308 Millionen Euro, der Gewinn eher mager – acht Millionen. Trotzdem klingt aus dem Statement: Der Schritt ist überfällig.
Das längst nicht mehr taufrische Studiogelände in Geiselgasteig bleibt derweil erhalten, wenn auch als Medienstandort, vielleicht mit mehr Vielfalt. Die Investoren, die gesucht werden, könnten genauso Techfirmen wie klassische Immo-Unternehmen sein. Julia Reuter, künftig Chefin des Produktionsbereichs (bisher RTL), spricht schon fast augenzwinkernd davon, dass Komplexität letztlich Kreativität auffrisst – mit dem neuen Schnitt soll frischer Wind kommen. Ob sich ein neuer Goldrausch einstellt, bleibt offen. So oder so: Nach über 100 Jahren beginnt ein neues Kapitel für eines der bekanntesten Markenzeichen der deutschen Filmlandschaft.
Die Bavaria Film wird – zum ersten Mal in ihrer langen Geschichte – radikal in zwei eigenständige Bereiche geteilt: eine Produktionsfirma und ein Immobilien-/Studiounternehmen. Der Umbau erfolgt vor dem Hintergrund stagnierender Umsätze und steigender Konkurrenz, insbesondere durch internationale Streamingdienste und insgesamt schwindende Budgets. Die Eigentümer (hauptsächlich öffentlich-rechtliche Sender und der Freistaat Bayern) setzen in der neuen Konstellation darauf, durch schlankere Strukturen wieder flexibler und kreativer arbeiten zu können. Gleichzeitig spiegelt die Entwicklung einen breiteren Trend in der deutschen Filmbranche wider, mit wachsenden Herausforderungen durch digitale Plattformen, enormem Preisdruck und der Notwendigkeit, neue Geschäftsmodelle zu etablieren – nicht zuletzt weil viele Studioproduktionen nach Osteuropa oder in virtuelle Welten abwandern. Die Entscheidung, Investoren (auch branchenfremde) für den Bereich Immobilien/Studiobetrieb zu suchen, birgt Chancen auf Innovation, aber auch Risiken, etwa einen Verlust an kultureller Identität oder sozialen Komponenten am Standort. Laut "Süddeutsche Zeitung" und Branchenportalen wird der Schritt in der Szene durchaus kontrovers gesehen: Optimisten hoffen auf einen Neuanfang, Skeptiker fürchten einen Ausverkauf. Neben Bavaria sind auch andere Filmstudios in Deutschland auf der Suche nach neuen Wegen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.