Infineon setzt vorerst auf Bestand statt neue Werke

Die Ära der riesigen Werk-Neubauten bei Infineon scheint (erstmal) vorbei zu sein.

heute 16:56 Uhr | 4 mal gelesen

Infineons Vorstand für Produktion, Alexander Gorski, hat im Gespräch mit dem "Handelsblatt" deutlich gemacht: Auf Sicht wird der Konzern keine weiteren Fabriken mehr hochziehen. Drei große Produktionsstandorte plus Partnerschaften mit anderen – das reicht ihm und seinem Team erstmal für das Wachstum, so Gorski. Ganz abgeschlossen ist das Baukapitel aber noch nicht: Kurz vor dem Sommer geht noch ein besonders ambitioniertes Projekt an den Start. Im Juli eröffnet in Dresden die neueste, extrem teure Fertigungsstätte – satte fünf Milliarden Euro hat das Ganze verschlungen. Die Zeitplanung? Wurde sogar unterboten: Ein ganzes Quartal schneller als gedacht geht's los. Die Leute vor Ort stehen längst in den Startlöchern, von den hundert Neuen sind fast alle bereits am Platz; viele davon hat Infineon eigenhändig ausgebildet. Ehrlich gesagt: Dass Deutschland sich als flotter Hightech-Standort profilieren kann, hätte bis vor Kurzem wohl nicht jeder geglaubt. Dass sich die neue Fabrik zudem so fix füllt, klingt zumindest nach Aufbruch – auch wenn Neubauten erstmal auf Eis liegen.

Infineon verabschiedet sich zumindest vorübergehend von weiteren Fabrikneubauten. Die neue Mega-Fabrik in Dresden, für stolze 5 Milliarden Euro, geht schon ein Quartal früher als gedacht ans Netz und soll ein Signal sein, dass Industrieprojekte in Deutschland durchaus zügig funktionieren können. Die meisten der 1.000 neuen Mitarbeitenden wurden direkt durch Infineon geschult und konnten bereits vor Ort integriert werden. Ergänzend dazu: Im aktuellen wirtschaftlichen Kontext bleiben Halbleiter ein strategisch entscheidender Zukunftsmarkt, und Firmen wie Infineon setzen zunehmend auf die Optimierung und Automatisierung bestehender Standorte statt immer neue Werke. Viele Branchen leiden noch immer unter Nachwirkungen von Lieferkettenproblemen, wodurch flexibles Kapazitätsmanagement wichtiger wird als schnelle Expansion. Hinzu kommt: Die Diskussion um staatliche Förderung und Investitionssicherheit in Deutschland macht viele Unternehmen inzwischen vorsichtiger bei größenwahnsinnigen Neubauprojekten.

Schlagwort aus diesem Artikel