Roberto Cingolani, Chef des italienischen Rüstungskonzerns Leonardo, lotet die Möglichkeit aus, Airbus ins internationale Kampfjet-Konsortium GCAP zu holen. In einem Interview mit dem 'Spiegel' schlug er vor, das Bündnis – zu dem auch BAE Systems aus Großbritannien und Mitsubishi aus Japan gehören – könne noch weitere Partner aufnehmen, damit mehr Technologie-Know-how und Ressourcen gebündelt werden. Das Zukunftsprojekt: Hochmoderne Jets der sechsten Generation, flankiert von autonomen Drohnen und KI-gestützten Systemen. "Fast so eine Mammutaufgabe wie die Mondlandung", meint Cingolani – manchmal verschwimmen Wissenschaft und Visionen.
GCAP brauche speziell Unterstützung beim Drohnen- und Schwarmintelligenz-Bereich – da könne Airbus punkten. Aber ein Einstieg der Deutschen wäre letztlich hohe Politik: Regierungen müssten das offiziell aushandeln. Derweil hakt es beim Konkurrenzprojekt FCAS, weil zwischen Deutschland, Frankreich und Spanien (alle samt mit Airbus, Dassault Aviation und Indra Sistemas) an zu vielen Ecken gerungen wird – unter anderem, wer das Sagen hat, wie die Arbeit verteilt wird, und was der Jet eigentlich können soll. Sogar die Idee, zwei unterschiedliche Jets in das FCAS einzubauen, kursiert mittlerweile. Cingolani findet das sympathisch – warum nicht ein kompakterer Jet wie Schwedens Gripen dazu? Praktisch, aus seiner Sicht.
Allerdings, gibt er zu bedenken, ist der Kuchen für neue Jets in Europa nicht besonders groß, das Geschäft nicht endlos skalierbar: "Moderne Kampfjets werden nicht wie Äpfel auf dem Wochenmarkt gehandelt." USA und China bedienen ihren Hof – für GCAP/Themen bleiben hauptsächlich europäische Kunden und etwas Nahost.
Eine große Fusion europäischer Rüstungskonzerne lehnt Cingolani im Moment entschieden ab. Das Stimmungsbild: Gemeinsame Zukunft? Ja. Gigantische Fusionen? Nein, nicht jetzt – angesichts des Ukraine-Kriegs müsse man flexibel bleiben und lieber Partnerschaften schmieden als alles zusammenzuführen. Deutschlands wachsender Führungsanspruch in Verteidigungsfragen? Kritisch. Die finanzielle Stärke reiche nicht: Entscheidend sei die Innovationskraft, und der Startschuss dafür ist gerade erst gefallen.
Leonardo-Chef Roberto Cingolani hat sich offen für einen Beitritt von Airbus zum internationalen Kampfjet-Bündnis GCAP gezeigt, besonders falls das europäische FCAS-Projekt weiter auf der Stelle tritt. Hintergrund sind die anhaltenden Differenzen zwischen den FCAS-Partnerländern, was Führung und Aufgabenteilung betrifft – ein Problem, das die Fertigstellung des geplanten Kampfjets der sechsten Generation gefährdet. Cingolani betont die Dringlichkeit innovationsstarker Bündnisse, spielt Fusionen jedoch herunter und mahnt, angesichts des enger werdenden Rüstungsmarkts in Europa und geopolitischer Unsicherheiten lieber auf flexible Kooperationen als auf Großeinheit zu setzen.
Recherchestand: Das FCAS-Programm kommt nicht recht vom Fleck, was gerade in der aktuellen sicherheitspolitischen Situation (Ukrainekrieg, neue strategische Ausrichtungen der EU) große Risiken birgt. Zudem wächst der globale Konkurrenzdruck durch US-amerikanische und chinesische Entwickler – beide werden voraussichtlich eigene Jets bevorzugt an befreundete Staaten exportieren (siehe t3n.de und faz.net). Die Rolle Deutschlands wird von Partnern kritisch gesehen, wobei der technologische Führungsanspruch entscheidender erscheint als Budget oder Industriegröße.