Am Dienstag fand unter Leitung von Carsten Spohr, dem Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa, eine eilig einberufene digitale Mitarbeiterrunde statt – wie das "Handelsblatt" berichtet. Dabei wurden offenbar Anweisungen gegeben, sich auf Szenarien vorzubereiten, in denen bis zu 20 Flugzeuge zunächst am Boden bleiben – was immerhin einem Rückgang der Sitzplatzkapazität um rund 2,5 Prozent entspricht. Falls die Lage es verlangt, könnte sich diese Zahl sogar auf 40 erhöhen. Spohr stellte in Aussicht, dass primär Maschinen betroffen wären, die ohnehin perspektivisch ausgemustert werden sollen. Warum diese Überlegungen? Nun, der eskalierende Konflikt im Nahen Osten sorgt nicht nur für Unsicherheit bei Flugrouten, sondern für massive Verteuerung beim Kerosin. Auch wenn der Kranich-Konzern sich für ca. 80 Prozent des Treibstoffbedarfs gegen Preissprünge abgesichert hat – die übrigen Anteile bedeuten allein jetzt schon Zusatzkosten von rund 1,5 Milliarden Euro. Höhere Ticketpreise scheinen unausweichlich, und Spohr rechnet schon offen damit, dass die Bereitschaft zum Fliegen sinken wird: „Die Konsequenzen übersteigen alles, was wir erwartet hatten.“ Ehrlich gesagt: So etwas muss erst einmal verdaut werden.
Lufthansa steht angesichts der zunehmenden Spannungen im Iran und der Gesamtregion vor schwierigen Entscheidungen. Wie jüngste Recherchen bestätigen, haben andere Airlines teils schon ihre Nahost-Routen überarbeitet oder komplett gestrichen; einige setzen auf weitere Umwege, was wiederum den Treibstoffverbrauch und die Preise nach oben treibt. Auch innerhalb des Konzerns ist zu hören, dass Unsicherheit über die weitere Entwicklung groß ist – Personal, Kunden und Investoren schauen gebannt auf neue Entscheidungen. Experten gehen davon aus, dass die jetzigen Pläne zur Kapazitätsreduzierung nicht nur betriebliche, sondern auch langfristige strategische Auswirkungen auf die gesamte europäische Luftfahrt haben könnten. Bei genauerem Blick auf die (weltweite) Wettbewerbssituation zeichnen sich Turbulenzen ab, die weit über temporäre Streckenschließungen hinausgehen könnten.