Interne Aussagen von Carsten Spohr, dem Chef von Lufthansa, deuten laut 'Spiegel' darauf hin, dass innerhalb von nur drei Tagen aus einem Kostenproblem bei Kerosin ein ganz akutes Verfügbarkeitsproblem entstanden ist. Immer mehr Flughäfen – vor allem in Asien – berichten von drohenden Lieferengpässen, einige verweigern Zusatzflüge, damit die eigenen Spritreserven nicht zu schnell schwinden. Spohr ließ bei einem Treffen mit Mitarbeitern durchblicken: Zwei Notfallpläne sind parat. Der erste bedeutet eine Reduktion des Sitzplatzangebots um rund 2,5 Prozent, sprich, etwa 20 Maschinen blieben still. Falls das nicht reicht, steht ein zweiter, schärferer Plan für etwa 40 Flugzeuge im Raum – betroffen wären vorzugsweise die alten, besonders spritdurstigen Typen wie Airbus A340 oder Boeing 747-400. Der endgültige Beschluss steht allerdings noch aus; umgesetzt würde das Ganze nicht vor dem Herbst beziehungsweise Winter. Und obwohl etwa 80 Prozent des benötigten Kerosins über feste Verträge bereits abgesichert ist, rechnet Spohr für 2024 mit Mehrkosten von satten 1,5 Milliarden Euro durch die kriegsbedingten Preissteigerungen. Das angepeilte Wachstum von vier Prozent für dieses Jahr? Wahrscheinlich Makulatur.
Die angespannte Lage am globalen Kerosinmarkt trifft die Lufthansa zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Während auf vielen Flughäfen – besonders in Asien – das verfügbare Flugbenzin knapp wird und neue Flüge abgelehnt werden, steht der Konzern vor der schwierigen Entscheidung, bis zu 40 Langstreckenflugzeuge vorübergehend aus dem Verkehr zu ziehen. Die Absicherung gegen Preisschwankungen kann das Problem gravierender Versorgungsengpässe offenbar nicht auffangen. Hinzu kommt, dass die sogenannte 'Zweit-Risiko-Vorsorge', mit der der Vorstand am Freitag reagierte, die wirtschaftlichen und operativen Spielräume von Lufthansa erheblich einschränkt. Neue Hintergründe beleuchten zudem, dass innerhalb der gesamten Luftfahrtbranche ähnliche Sorgen kursieren: Nicht nur Lufthansa, auch andere Airlines warnen vor einer Unterbrechung ihrer Flugpläne, falls sich die Lage nicht normalisiert. Ein Thema, das neben finanziellen Fragen auch die Debatte um die Sicherheit und Zuverlässigkeit von Flugreisen in den Fokus rückt.