Männer und Frauen bleiben bei der Berufswahl unterschiedliche Wege treu

Trotz gesellschaftlicher Debatten rund um Gleichberechtigung: Schülerinnen und Schüler entscheiden sich weiterhin deutlich geschlechtsspezifisch, wenn es um Ausbildungsberufe geht.

21.04.26 08:43 Uhr | 11 mal gelesen

Offizielle Zahlen vom Statistischen Bundesamt, veröffentlicht an einem Dienstagmorgen, bestätigen einmal mehr: Die Entscheidung für einen Ausbildungsberuf in Deutschland hängt noch immer stark vom Geschlecht ab. 2024 war für junge Frauen der Klassiker schlechthin, die Medizinische Fachangestellte. Fast jede zehnte frisch abgeschlossene Ausbildung in dieser Gruppe fiel auf diesen Beruf. Und die Jungs? Sie lieben nach wie vor Motoröl: Kfz-Mechatroniker landete mit 7,5 Prozent ganz oben auf der männlichen Hitliste. Danach folgt bei ihnen – und das ist jetzt kein ganz neues Bild – der Fachinformatiker (5 Prozent) sowie der Elektroniker (4,6 Prozent). Während Mädchen gerne auf das Büro setzen (Kauffrau für Büromanagement: 8,8 Prozent) oder Zähne zur Profession erklären (Zahnmedizinische Fachangestellte: 7,5 Prozent), bleibt der technische Bereich fest in Männerhand. Überraschend ist das irgendwie nicht – und ehrlich gesagt hatte ich gehofft, die Zahlen wären in diesem Jahr anders ausgefallen. Aber, und das ist vielleicht noch markanter: Von insgesamt mehr als 475.000 neuen Ausbildungsverträgen im dualen System entfällt ein sattes Stück – nämlich fast zwei Drittel (ganau 63,8 Prozent) – auf Männer. Es scheint, als seien manche Klischees zäher als gedacht.

Die Berufswahl in Deutschland ist auch 2024 weiterhin stark von Geschlechterklischees geprägt, wie neue Destatis-Daten belegen. Ausbildungsmuster ändern sich nur schleppend: Berufe wie Medizinische Fachangestellte und Kfz-Mechatroniker bleiben deutliche Favoriten bei jungen Frauen beziehungsweise Männern. Neuere Analysen und Berichte weisen zudem darauf hin, dass Stereotype nicht nur in den Köpfen, sondern auch in den Strukturen vieler Ausbildungsbetriebe und Schulen verankert sind, wodurch Veränderungen erschwert werden. Hinzu kommen gesellschaftliche Entwicklungen: Der Fachkräftemangel rückt die Bedeutung einer geschlechtergerechten Berufsorientierung stärker in den Fokus, und Initiativen wie Girls' Day oder Boys' Day versuchen, traditionelle Wege aufzubrechen – allerdings bislang mit überschaubarem Erfolg. In den Medien wurde in den letzten zwei Tagen vermehrt über die Notwendigkeit von Modernisierungen im Bildungssystem diskutiert und auf regionale Unterschiede bei der Durchlässigkeit der Ausbildungsmöglichkeiten hingewiesen.

Schlagwort aus diesem Artikel