MDR-Reportage: Vom Alltag zwischen Schimmel, Müll und Geschäftsinteressen – Mieter im Südpark kämpfen weiter

Leipzig – Zerbrochene Fenster, feuchte Wände und Sperrmüllberge prägen den Südpark in Halle-Neustadt, wie die aktuelle MDR-„exactly“-Reportage zeigt. Während die Häuser zerfallen, kämpfen die Bewohner mit alltäglichen Problemen. Hinter dem sichtbaren Verfall stecken undurchsichtige Finanztricks mit sogenanntem 'Schrottimmobilien'-System. Die Reportage ist ab sofort in der ARD Mediathek und heute Abend, 1. Juli 2026, um 20:45 Uhr im MDR zu sehen.

heute 11:22 Uhr | 3 mal gelesen

Wer den Südpark in Halle-Neustadt besucht, merkt schnell: Hier tickt irgendetwas anders. Ganze Häuserzeilen stehen leer, Fensterscheiben sind gesprungen, und das Treppenhaus – naja, freundlich gesagt: renovierungsbedürftig. Manche Nachbarn grüßen trotzdem freundlich, vielleicht ein bisschen müde von all den Jahren im Kampf gegen Schimmel und den allgegenwärtigen Unrat vor der Tür. Die Reportage von 'exactly' begleitet Menschen wie Pamela Alnajjar, die im Schlafzimmer kaum noch atmen kann: Schimmel, so weit das Auge reicht. Sie öffnet dem Team die Tür und erzählt, was viele nicht sehen wollen – oder können. Die meisten Altlasten bleiben an denen hängen, die weder Geld noch Kraft für einen Neuanfang haben. Hausmeister? Längst Fehlanzeige. Die Verwaltung reagiert nur noch mit Schulterzucken. Zwei Firmen, die früher alles besitzen wollten, haben selbst kein Geld mehr übrig. Was bleibt? Ein Wohnviertel, das auf Pump und Versprechungen gebaut ist, aber längst zwischen den Ritzen auseinanderbricht. Genauer hinschauen offenbart: Die Misere hat Methode. Wohnungen ziehen von Spekulant zu Spekulant, werden für den schnellen Profit so billig wie nötig instandgehalten, und wenn es brenzlig wird, verkauft. Klar, darunter leidet vor allem das schwächste Glied – die Mieter. Viele wissen gar nicht, was ihnen zustünde. Und auch wenn sich einige zusammentun, reicht das oft nur, um kleinere Katastrophen hinauszuschieben. Aber der Südpark ist mehr als nur Verdruss. Ein bisschen Trotz lebt in den Straßen. Nachbarn helfen sich, improvisieren, organisieren gemeinschaftliche Reparaturaktionen. Hier und da flackert Hoffnung auf, dass die Stadt vielleicht irgendwann eingreift oder Fördermittel auf den Weg bringt. Doch bis dahin? Zieht sich der Alltag – manchmal zwischen Wut, Resignation und leiser Hoffnung. Ehrlich gesagt: Wer zuckt da nicht manchmal mit den Schultern, angesichts eines Problems, das nicht nur den Südpark betrifft?

Die MDR-Reportage rückt den Blick auf das systematische Problem von Schrottimmobilien, die bundesweit immer häufiger auftauchen: Immobilienkonzerne streichen maximale Profite ein, indem sie ihre heruntergewirtschafteten Häuser regelmäßig weiterverkaufen, ohne notwendige Reparaturen zu erledigen. Die Leidtragenden sind meist finanziell schwache Mieter, denen oftmals das Wissen um ihre Rechte fehlt und die so in teils verwahrlosten Zuständen wohnen bleiben. Aktuell mehren sich deutschlandweit Medienberichte über ähnlich gelagerte Fälle, weshalb das Thema endlich verstärkt politische Diskussionen über Mieterschutz, kommunale Verantwortung und den Einfluss großer Immobilieninvestoren entfacht. Die 'taz' berichtet von wachsender Unzufriedenheit bei Mietern ähnlicher Großsiedlungen, die sich zunehmend organisieren und auf Unterstützung von Städten hoffen. Bei 'Die Zeit' werden Kommunen mit neuen Instrumenten ausgestattet, um gegen verwahrloste Immobilien gezielter vorzugehen. Die 'Süddeutsche Zeitung' analysiert zudem, wie Politik und Wirtschaft gegenseitig die Verantwortung zuschieben, während Wohnraumerhalt praktisch zu einer Frage der Zivilgesellschaft wird.

Schlagwort aus diesem Artikel