Selbst Wetterfrösche hätten wohl gezögert, für die Transport- und Logistikbranche in letzter Zeit heiteres Klima vorherzusagen. Iran, Ukraine, Handelszölle, KI-Umbrüche, explodierende Energiepreise – die Dauerbaustellen sind zahlreich. Bei der Delegiertenversammlung in Heidelberg spricht Nils Reich, der KRAVAG-Vorstandschef, offen von einem harten Pflaster. Und doch: Die Zahlen aus den ersten Monaten 2026 lesen sich wie ein Gegenentwurf zum Negativtrend. 614 Millionen Euro an Bruttobeiträgen bei KRAVAG-LOGISTIC (+4,8 %), ebenso ein Sprung bei der KRAVAG-ALLGEMEINE auf knapp 19 Millionen Euro mehr (+2,9 %). 'Wir sind Fachleute aus der Branche, nicht Zaungäste', betont Reich fast trotzig. Fast jede zweite Sattelzugmaschine in Deutschland fährt mit KRAVAG – das hat Gewicht.
2025 gönnte sich das Unternehmen ebenfalls keinen Dämpfer: Die Beitragseinnahmen kletterten markant auf nahezu 2 Milliarden Euro (+9,2 %). Die Logistik-Sparte trotzt Reibungsverlusten durch teure Werkstätten und Ersatzteile; die Schadenaufwendungen steigen, aber auch die Beiträge legen zu. Bemerkenswert: Trotz Kostenschub sinkt die Combined Ratio von 96,8 % auf 94,9 % – ein Kunststück in diesem Umfeld. In der Kraftfahrtversicherung hat KRAVAG weiterhin das dickste Brot (78 %).
Bei KRAVAG-ALLGEMEINE ging es 2025 ebenso aufwärts: Deutlich mehr Beitragsvolumen und eine positive Schadenentwicklung, obwohl weniger Kfz-Haftpflichtverträge abgeschlossen wurden. Die Combined Ratio verbessert sich kräftig (auf 90,5 %), der Jahresüberschuss liegt – etwas zurückhaltender – bei 9,9 Millionen Euro.
Doch Wirtschaft ist nicht alles: Ein neuer Gegenspieler namens 'Phantomfrachtführer' bereitet der Branche Kopfzerbrechen. Die professionell organisierten Betrüger stehlen Fracht, als hätte jemand eine neue Schattenwirtschaft gegründet. Alle paar Tage verliert Deutschland ganze Lkw-Ladungen, so das Krisen-Update von Anja Ludwig, Chefin des KRAVAG-KompetenzCenters. Mit der SVG-Akademie wird deshalb gerade an einer Online-Schulung gebastelt – nicht trocken, sondern praxistauglich für Disponenten und Logistiker, um Betrüger rechtzeitig erkennen zu können.
Noch ein Blick aufs Nebenfeld: Die Elektrifizierung macht den Job nicht einfacher. KRAVAG Umweltschutz und Sicherheitstechnik GmbH (KUSS) betreut seit Jahrzehnten Umwelt- und Gefahrgutschäden, koordiniert Notfälle und übernimmt das Bergen liegengebliebener Lkw – 2025 waren es 5.000 Aufträge, davon 910 akute. Neu ist, dass Elektro-Lkw im Falle des Falles viel heikler zu bergen sind: Die Akkus erfordern spezialisierte Rettung, die Kosten schnellen nach oben. Trotzdem zeigt sich Geschäftsführer Morgenstern zuversichtlich: 'Wir passen uns an.' Die elektrische Zukunft rückt näher – auch im Abschleppgeschirr.
Im letzten und laufenden Jahr stand die Transport- und Logistikbranche wegen geopolitischer Konflikte, Handelsstreits, hoher Energiekosten und der fortschreitenden Digitalisierung unter gewaltigem Druck. Trotz dieses rauen Umfelds wuchs KRAVAG mit einem Anstieg der Beitragseinnahmen von 9,2 Prozent 2025 und weiteren Zuwächsen 2026 deutlich, was die starke Marktposition und Branchennähe des Versicherers unterstreicht. Insbesondere setzt das Unternehmen auf Prävention gegen neue Betrugsformen wie Phantomfrachtführer und ist durch Angebote wie spezialisierte Bergungsdienste auf Trends wie die Elektrifizierung vorbereitet. Nach aktuellen Recherchen ist das Thema Digitalisierung, KI und Prävention auf Branchentreffs und in der Tagespresse allgegenwärtig. Laut einem aktuellen Artikel auf taz.de beschäftigen sich viele Versicherer derzeit mit Cyber-/Betrugsrisiken im Logistikbereich, während die Süddeutsche speziell auf steigende Schadenssummen durch Sabotage und IT-Probleme im Transportsektor eingeht. Auch die FAZ berichtet über die Herausforderungen von hohen Reparaturkosten bei E-Lkw und wie sich Unternehmen zunehmend mit neuen, kostenintensiven Sicherheitsauflagen konfrontiert sehen.