Mercedes kämpft um deutsche Werke: Ungarn-Expansion als Rettungsanker?

Kapazitätsausbau in Ungarn sorgt für Unruhe: Mercedes-Benz will damit angeblich Arbeitsplätze in Deutschland absichern. Doch viele Beschäftigte und die IG Metall zweifeln, ob das Sparprogramm nicht zu weit geht.

heute 17:37 Uhr | 2 mal gelesen

Warum schielt ein deutscher Autofertiger wie Mercedes plötzlich so begeistert nach Ungarn? Michael Schiebe, Produktionsvorstand des Konzerns, begründet die kräftige Erweiterung des Werkes in Kecskemét offenbar mit dem Ziel, Jobs hierzulande zu retten – so hat er sich jedenfalls im Gespräch mit dem Handelsblatt geäußert. Einerseits spart der Konzern durch niedrigere Löhne und mehr Arbeitsstunden vor Ort erheblich. Andererseits will man in Deutschland die Sparschrauben weiter anziehen: Längere Arbeitszeiten ohne finanziellen Ausgleich, weniger Personal – kurzum, alles keine Lösungen, bei denen manch ein Mitarbeiter fröhlich pfeifend zur Schicht erscheint.

Tatsächlich steht das Mercedes-Werk in Kecskemét, südlich von Budapest, inzwischen als größter europäischer Produktionsstandort da – und könnte damit in gewisser Weise als Hoffnungsschimmer für die Jobsicherung in Deutschland gelten. Doch bei Lichte betrachtet, ist das Ganze natürlich ein Balanceakt: Die einen profitieren von Kostenvorteilen, die anderen sehen ihre Arbeitszeiten steigen und genießen die neuen Rahmenbedingungen mit gemischten Gefühlen. Die Gewerkschaft IG Metall spricht bereits von einer harten Verhandlungsrunde, Schiebe hingegen sieht in der Ungarn-Expansion eine notwendige Maßnahme, um Schließungen deutscher Werke zu verhindern. Aktuelle Recherchen zeigen aber auch, dass ein anhaltender Personalmangel, Inflation und ein schleppender Absatz in Europa die Lage zusätzlich verschärfen. Und jüngste Artikel etwa von der Süddeutschen, Spiegel und der Zeit unterstreichen, wie viele deutsche Unternehmen zunehmend gefragt sind, wie sie national und international konkurrenzfähig bleiben können, ohne ihre Belegschaft vor den Kopf zu stoßen.

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