Digitale Souveränität – kein Modewort, sondern ein drängendes Bedürfnis; damit beschäftigt sich Bundesdigitalminister Karsten Wildberger ganz konkret. Als er der ARD Rede und Antwort stand, zeichnete er ein mulmiges Szenario: Microsoft könnte Deutschland über Nacht den Zugang zu wichtigen Updates abdrehen. Klar, betont er gleich, das Verhältnis zu den Tech-Firmen aus Übersee sei von Vertrauen geprägt, aber man dürfe sich wahrlich nicht darauf ausruhen. Er blickt auch auf den Bereich Künstliche Intelligenz mit wachsendem Unbehagen. Dass Modelle wie die von Anthropic nicht oder nur eingeschränkt verfügbar sind, habe ihm deutlich vor Augen geführt, wie verletzlich wir sind – wir könnten von heute auf morgen abgehängt werden. Und warum eigentlich gibt es nicht längst einen "deutschen Microsoft"? Nicht nur, um technologisch unabhängig zu sein, sondern auch, um ein eigenes digitales Ökosystem mit wirtschaftlicher Schlagkraft zu schaffen.
Auf Skepsis, ob der Zug für Deutschland bei KI längst abgefahren sei, kontert Wildberger mit einem vielleicht unerwarteten Optimismus: Insbesondere im industriellen Bereich liege noch viel Potenzial, dort hat Deutschland immense Datenschätze und eine starke Ausgangslage. Natürlich, das alles werde kein Spaziergang – aber zu erklären, die Innovation sei vorbei, hält er für ein Trugbild. Es sei schlichtweg eine Wille-Frage, ob Europa den Anschluss findet. Oft, so klingt durch, bremse uns der eigene Kopf – Tagträumerei oder realistische Perspektive?
Beim Stichwort Bürokratieabbau schiebt Wildberger hinterher, dass Umweltstandards keinesfalls unter die Räder kommen dürften. Er verweist auf hohe Energieeffizienz, Grünstromkraft und Wassermanagement bei Rechenzentren – daran werde nicht gerüttelt. Trotzdem müsse Politik manchmal die Naturgesetze akzeptieren, so seine kleine Erinnerung an die Grenzen des Machbaren. Und noch ein kleiner Hüpfer zum Thema Jugendschutz: Eine grundsätzliche technische Lösung für Social-Media-Altersfreigaben sieht Wildberger nicht, also spricht er sich aktuell für eine Altersgrenze aus – "solang wir keine bessere Lösung haben", wie er sagt. Ein bisschen Pragmatismus, ein bisschen Zukunftsmusik – das ist wohl typisch für solche Debatten.
Karsten Wildberger hat in einem aktuellen Interview eindringlich davor gewarnt, dass Deutschland und Europa technologisch viel zu großen Einfluss aus den USA akzeptieren könnten und damit ihre Unabhängigkeit riskieren. Besonders beim Thema Künstliche Intelligenz sieht er die Gefahr, dass europäische Unternehmen von zentralen Entwicklungen ausgeschlossen werden, wenn amerikanische Tech-Konzerne Produkte nicht mehr bereitstellen. Zugleich zeigt er sich jedoch zuversichtlich, dass Deutschland insbesondere in industriellen Anwendungen der KI noch international herausragen kann, wenn die richtigen politischen und wirtschaftlichen Weichen gestellt werden.
Aus weiteren Quellen geht hervor, dass die Diskussion um digitale Souveränität in Europa an Fahrt gewinnt. Die EU hat zuletzt Initiativen wie den AI Act auf den Weg gebracht und investiert verstärkt in den Ausbau von Rechenzentren und Cloud-Lösungen, um sich unabhängiger von amerikanischer Infrastruktur zu machen. Kritiker sehen jedoch Nachholbedarf: Es fehlen bislang schlagkräftige europäische Digitalunternehmen, die auf Augenhöhe mit Microsoft, Google oder OpenAI agieren – viele Projekte stecken noch im Experimentierstadium oder werden durch unterschiedliche nationale Strategien ausgebremst.