Neulich im Gespräch mit dem 'Spiegel' ließ Alexander Graf Lambsdorff – derzeit noch Deutschlands Botschafter in Moskau – durchblicken, dass hinter vorgehaltener Hand in der russischen Hauptstadt immer öfter über eine neuerliche Einberufung diskutiert werde. Besonders nach der Duma-Wahl im September erwarten viele eine frische Runde der Mobilmachung. Auch Lambsdorff selbst trägt diese Befürchtung in sich: Es könnte bereits bald dazu kommen, dass viele weitere Russinnen und Russen eingezogen werden – die Gerüchte verdichten sich.
Putin indes – so die Einschätzung des Diplomaten – ist überhaupt nicht bereit, ernsthaft über Frieden oder Kompromisse zu verhandeln. Seine Entschlossenheit, den Krieg weiterzuführen und letzten Endes doch für sich zu entscheiden, sei unverändert groß. Knapp drei Jahre hat Lambsdorff im russischen Machtzentrum verbracht, schon nächste Woche verlässt er das Land Richtung Israel. Ein Gefühl des Pessimismus bezüglich Russlands Entwicklung bleibt zurück: "Ich bin eigentlich Optimist, aber das hier macht's mir schwer."
Zunehmender Druck auf Kritiker, mehr Überwachung, immer weniger Verbindung zum Westen – Lambsdorff spricht von einer Art "schleichender Re-Stalinisierung". Wer Putin widerspricht, muss mit Schikanen rechnen; die Behörden schotten das Land regelrecht ab, selbst das Internet ist kaum noch frei zugänglich. Kurz vor seinem Abschied wurde Lambsdorff ein letztes Mal ins Außenministerium zitiert – bereits zum fünften Mal in seiner russischen Zeit. Die Atmosphäre mit Außenamtssprecherin Sacharowa war frostig: Der diplomatische Handschlag blieb verweigert. Höherrangige Kontakte? "Sehr reduziert, sehr schwierig." Und überhaupt – der Kreml betrachtet Deutschland mittlerweile rundheraus als 'unfreundlich', da Berlin weiter Kiew unterstützt.
Der deutsche Botschafter Alexander Graf Lambsdorff warnt vor einer möglichen erneuten Mobilmachung in Russland nach der anstehenden Duma-Wahl. Nach seiner Einschätzung reden inzwischen viele Menschen in Moskau offen über diese Aussicht, und die Atmosphäre im Land ist von verstärkter Repression und wachsender Isolation geprägt. Der Kontakt zur russischen Führung war während Lambsdorffs Amtszeit zunehmend schwierig, Deutschland wird seitens des Kremls aufgrund seiner Unterstützung für die Ukraine als feindlich angesehen.
Branchenquellen und Medienberichte der letzten 48 Stunden heben zudem hervor, dass eine erneute Mobilmachung von russischer Seite offenbar organisatorisch vorbereitet wird, obwohl die offizielle Führung bislang alle entsprechenden Gerüchte abstreitet. Mehrere unabhängige Analysten, etwa zitiert von der 'Süddeutschen Zeitung', sprechen von einer Verschärfung innenpolitischer Kontrolle und gezielten Angriffen auf alternative Informationskanäle, während gleichzeitig durch steigende Verluste die Notwendigkeit neuer Rekrutierungen wächst. Im außenpolitischen Klima bleibt die Hoffnung auf Verhandlungen gering, zumal sich Russland weiter in Richtung politische Abschottung bewegt und kaum Kommunikationsbereitschaft mit dem Westen signalisiert.