Ein EU-weites Verbot klassischer Fleischbegriffe für vegane oder vegetarische Alternativen könnte die Branche in Schieflage bringen – so jedenfalls warnt es der Bundesverband für alternative Proteinquellen (Balpro). Die stellvertretende Vorsitzende, Claudia Hauschild, spricht davon, dass es um weit mehr als nur um Produktnamen geht: Für viele Unternehmen hängen nicht weniger als die Geschäftsgrundlage und Arbeitsplätze an den bekannten Begriffen. Veränderungen bedeuten Monate an Umgewöhnung, neue Verpackungen, vernichtete Altbestände und hohe Kosten – und das alles, während Käuferinnen und Käufer möglicherweise erst einmal im Regal ratlos nach den „Altbekannten“ suchen. Hauschild fürchtet, dass ein solcher Schritt – der im Moment sogar vom Agrarministerium nicht gänzlich ausgeschlossen wird – dem Innovationsdrang der gesamten Branche einen Riegel vorschieben könnte.
Das Hauptproblem ist laut Verband allerdings nicht nur das Geld für Rebranding und Verpackung, sondern der drohende langfristige Umsatzverlust. Viele Kunden würden veganer Mettwurst & Co. schlichtweg nicht mehr wiedererkennen, selbst eingefleischte (Wortspiel durchaus beabsichtigt) Konsumentinnen könnten abspringen. Hauschild mahnt deshalb, dass die Bundesregierung verantwortungsvoll mit den wirtschaftlichen Risiken umgehen und sich innerhalb der EU für faktenbasierte Regelungen stark machen sollte.
Ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums sieht die EU-Pläne kritisch – gerade weil Deutschland bereits etablierte Vorgaben hat und zusätzliche Bürokratie befürchtet. Trotzdem: Viele andere EU-Staaten begrüßen strengere Namensregeln für fleischlose Lebensmittel. Letztlich wird sich in den kommenden Wochen bei den sogenannten Trilogverhandlungen zeigen, ob diese Regeln überhaupt eingeführt werden.
Die mögliche Einführung eines EU-weiten Namensverbots für pflanzliche Fleischalternativen trifft die Branche mit voller Wucht: Verbände beziffern die drohenden Kosten auf rund 250 Millionen Euro. Insbesondere stellt ein solches Verbot nicht nur die Existenz zahlreicher Produkte infrage, sondern auch ganze Geschäftsmodelle, da viele Unternehmen fast komplett von diesen Ersatzwaren leben. Gleichzeitig verschärft sich die Diskussion um Produkttransparenz und Verbraucherschutz, während Konsumenten und Produzenten gleichermaßen verunsichert sind – zumal die EU sich auf eine finale Linie erst einigen muss.
Aktuelle Recherchen zeigen außerdem einen deutlichen Trend: Immer mehr Menschen würden auf Fleischalternativen umsteigen, wenn die Produkte leicht verständlich und zugänglich bleiben. Einzelne Länder wie Frankreich haben bereits ähnliche Regulierungen erlassen, doch die Akzeptanz ist durchwachsen und die Vermarktung gestaltet sich schwierig. Die deutsche Bundesregierung signalisiert Widerstand gegen weitere Bürokratie, muss sich jedoch mit vielen EU-Partnern abstimmen.
Die Lage bleibt volatil – Ausgang ungewiss, doch für betroffene Unternehmen geht es um alles: Umsätze, Identität ihrer Produkte und letztlich die Wettbewerbsfähigkeit auf einem europaweiten Markt.