Ganz offen gestand Marc Al-Hames im Gespräch mit dem "Handelsblatt": Eine Digitalsteuer könne durchaus Sinn machen – vorausgesetzt, das eingenommene Geld würde gezielt ins Wachstum und die Stärkung europäischer Tech-Firmen fließen. Ein Anliegen, das nicht ganz ohne Seitenhieb auf die USA auskommt, wo Summen wie bei der Open-AI-Investitionsrunde (rund 110 Milliarden Dollar) für einzelne Unternehmen offenbar leichter zu schultern sind als in Europa. Er sieht in Deutschland und darüber hinaus echten Nachholbedarf: "Wir brauchen dringend neue Formen der Kapitalverteilung und mutigere Spielräume für Unternehmen," findet Al-Hames. Denn, so seine Einschätzung, allein mit den traditionellen Ansätzen sei der große Sprung kaum zu schaffen.
Eines steht fest: Kaum hatte Al-Hames den Stuhl im Verwaltungsrat übernommen (zusammen übrigens mit Jacob Burda und Elisabeth Burda Furtwängler – Familienbande, die übrigens nicht ganz ohne eigene Spannungen auskommt), schon winken große Pläne für die Zukunft des Medienkonzerns; für 2024 werden stolze 2,7 Milliarden Euro Umsatz gemeldet. Wer jetzt "Burda" hört, denkt meist an Zeitschriften wie "Focus" oder "Bunte", doch der Konzern hat längst auch im digitalen Geschäft seine Finger drin, etwa mit "Holiday Check" oder "Xing". Die Frage, ob eine zusätzliche Steuer der richtige Weg ist? Schwer zu sagen – aber dass sich in der europäischen Tech-Branche etwas drehen muss, ist wohl kaum mehr zu übersehen.
Marc Al-Hames, Chef im Verwaltungsrat bei Burda Media, bringt mit seinem Vorschlag zur Digitalsteuer frischen Wind in die Diskussion um Europas Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA. Er argumentiert, dass gezielt eingesetzte Steuererlöse europäischen Technologieunternehmen helfen könnten, unabhängiger von amerikanischen Großkonzernen zu werden. Experten sehen solche Überlegungen durchaus ambivalent: Einerseits könnten sie Investitionen und Innovation fördern, andererseits besteht die Sorge, dass zusätzliche Steuern bürokratische Hürden und Abwanderungseffekte bringen. In letzter Zeit gibt es auch auf EU-Ebene wieder verstärkte Debatten über die Besteuerung großer Digitalanbieter und die Förderung europäischer Tech-Giganten. Viele Medienhäuser in Europa klagen seit Jahren über die Marktmacht von Google, Meta & Co, deren Werbeeinnahmen ihnen das Leben schwermachen. Jüngste Initiativen in Frankreich und Italien zeigen allerdings, wie komplex es ist, eine wirkungsvolle Digitalsteuer umzusetzen, ohne im internationalen Steuerwettbewerb ins Hintertreffen zu geraten.