Was bedeutet eigentlich diese neue Welle von Deepfakes für unseren Alltag – für das, was wir sehen und glauben? Genau diesem Puzzle spürt Eckart von Hirschhausen in seiner investigativen Doku „Hirschhausen und die Deepfake-Mafia“ nach. Mit Stationen von Köln bis nach Sofia, von Brasilien bis zurück ins eigene E-Mail-Postfach legt der Arzt und Moderator Schicht um Schicht das Netzwerk zwischen online agierenden Datenhändlern, Betrügern und den Schattenseiten unseres digitalen Lebens frei. Die Doku läuft am 4. Mai 2026 um 20:15 Uhr im Ersten; ausnahmsweise können Ungeduldige schon ab dem 1. Mai in der ARD Mediathek reinschauen.
Parallel dazu nimmt „F*CK DEEPFAKES!“ mit Collien Fernandes kein Blatt vor den Mund: Mit ihrer Spurensuche demonstriert Fernandes, wie erschreckend leicht sich mit heutigen Tools Fake-Videos und manipulierte Bilder zusammenschrauben lassen – und wie weitreichend die Folgen sein können. Ihr Film fragt deutlich nach: Wer wird überhaupt Ziel solcher Angriffe, warum und was ist psychologisch gesehen das eigentlich Zerstörerische daran?
Da bleibt’s nicht beim Zeigefinger: Es geht um echte Menschen hinter den Stories. Collien Fernandes – schon lange im Kampf gegen digitale Gewalt aktiv – spricht mit Wissenschaftlerinnen, Hackern, Vertreterinnen zivilgesellschaftlicher Organisationen und Opfern. Sandeep Abraham, Ex-Sicherheitschef von Meta, gibt bemerkenswerte Einblicke darin, wie soziale Netzwerke Geld an Fake-Inhalten verdienen – und warum bei Profitinteressen Schutz oft auf der Strecke bleibt.
Und dann? Es gibt durchaus Lösungsansätze: In einer Berliner Schule testet Digitalberater Gavin Karlmeier mit Jugendlichen verschiedene Strategien gegen Manipulation. Bringen Social-Media-Verbote eigentlich irgendwas, oder braucht’s mehr, wie etwa Klarnamenpflicht? Anika Gruner vom Start-up Neuromancer wiederum erklärt, wie moderne Algorithmen Deepfake-Fälschungen aufspüren – zum Beispiel über bunte Wärmebild-Grafiken, sogenannte „Heatmaps“, die kleine Fehler in den Bildern sichtbar machen.
Hinter den Projekten stecken Menschen mit persönlichem Einsatz. Die Filme sind Produktionen der Bilderfest GmbH, mit Kristin Siebert (Buch/Regie) und Stefan Otter (Produktion), im Auftrag von BR und WDR für die ARD.
Übrigens: Das ARD-Kompetenzzentrum für Wissen, Bildung und Schule widmet dem Thema mit „Age of Fake – Die neue Macht der Täuschung“ gleich einen gesamten Schwerpunkt – linear im Fernsehen wie auch digital.
Deepfakes sind längst Teil unseres digitalen Alltags und entfalten zunehmend schädliche Wirkung – von gezielter Diskreditierung bis hin zu sexualisierter Gewalt und politischer Manipulation. Die beiden ARD-Dokumentationen zeigen konkrete Fälle aus dem echten Leben, beleuchten zudem die perfiden Geschäftsmodelle hinter gefälschten Inhalten und diskutieren öffentlich, wie schwer es ist, zwischen echt und manipuliert zu unterscheiden. Technisch werden Deepfakes immer schwerer zu erkennen; juristisch fehlt es an klaren Regelungen und Betroffene stehen häufig ratlos vor digitalen Angriffen. Verfolgt man die aktuelle Berichterstattung (z. B. bei der Süddeutschen und ZEIT), steht vor allem der Einsatz solcher Fälschungen im Rampenlicht politischer Wahlen und öffentlicher Skandale – zusätzlich wird über die ethische Verantwortung der Tech-Unternehmen diskutiert und wie KI-Tools künftig Deepfakes schneller entlarven könnten. Laut neuen Presseberichten wächst auch die internationale Zusammenarbeit zwischen Ermittlungsbehörden, allerdings hinkt die Gesetzgebung innovativen Deepfake-Technologien meist hinterher.