Münchens Rathaus wird grün: Dominik Krause schlägt Reiter bei OB-Wahl

Der Kandidat der Grünen, Dominik Krause, triumphiert überraschend in der Stichwahl und verdrängt SPD-Urgestein Dieter Reiter vom Amt des Oberbürgermeisters. Reiter gesteht die Niederlage ein und zieht persönliche Konsequenzen.

heute 19:57 Uhr | 2 mal gelesen

Mit unerwarteter Ehrlichkeit steht Dieter Reiter vor Mikrofonen und gesteht: "Ich habe es vergeigt, daran trägt niemand sonst die Verantwortung." Er wirkt beinahe erleichtert, als er, gezeichnet von einem fordernden Wahlkampf, ankündigt, sich aus allen politischen Ämtern zurückzuziehen – eine Ära geht abrupt zu Ende. Der seit 2014 amtierende Oberbürgermeister war in den letzten Monaten vermehrt in die Schlagzeilen geraten, nicht nur wegen schwindender Umfragewerte, sondern auch durch interne Kritik: Seine Tätigkeit als Verwaltungsbeirat beim FC Bayern München, versehen mit beachtlicher Vergütung, zog ein öffentliches Echo nach sich. Die Situation spitzte sich Anfang März zu, als er, wohl auch dem öffentlichen Druck geschuldet, seine Aufgaben beim Verein niederlegte. Jetzt, nach acht Jahren an der Spitze der Stadt, reicht er das Zepter an einen politischen Herausforderer weiter. Ein kleines Gefühl von Endgültigkeit liegt in der Luft. Auch wenn die politische Landschaft Münchens in Bewegung bleibt, ist dieser Wechsel mehr als ein einfacher Postenwechsel.

Dominik Krause von den Grünen hat sich in der Stichwahl deutlich gegen den langjährigen SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter durchgesetzt. Reiters Rücktritt markiert nicht nur das Ende seiner eigenen Laufbahn, sondern könnte auch Signalwirkung für andere Großstädte und Parteien entfalten. Krauses Sieg ist Ausdruck einer wachsenden Unzufriedenheit mit dem Status quo, zudem hatte Reiter kurz zuvor durch seine problematische Verbindung zum FC Bayern einige Sympathien eingebüßt. Auffällig ist aber auch, dass der Wahlkampf insgesamt ungewöhnlich polarisiert war – persönliche Angriffe und Diskussionen um politische Transparenz waren in München selten derart präsent. Laut mehreren aktuellen Medienberichten wirkt die Rathauswahl wie ein Spiegel bundesweiter Trends: Immer mehr Wählerinnen und Wähler setzen auf klimapolitische Kurswechsel und personelle Erneuerung. Gleichzeitig zeigte die Wahl die Bruchstellen zwischen SPD-nahen und eher progressiven urbanen Milieus. Im bundesweiten Vergleich wächst der Einfluss der Grünen in den Großstädten weiterhin an, auch unabhängig von Bayern.

Schlagwort aus diesem Artikel