Neue Wege gegen bösartige Hirntumoren – Fortschritte und Perspektiven rund um TTFields beim Krebskongress in Berlin

Berlin – Auf dem 37. Deutschen Krebskongress sammeln sich erneut Forschende, Ärzte und Betroffene, um zukunftsweisende Behandlungsmethoden für Krebs zu diskutieren. Im Scheinwerferlicht steht unter anderem das Gliom WHO-Grad 4: ein Tumor, der bis heute als nahezu unbesiegbar gilt. Besonders im Fokus: die noch relativ neue TTFields-Therapie, die mit elektrischen Feldern arbeitet und neue Hoffnung für Patientinnen und Patienten bringen soll.

heute 12:26 Uhr | 3 mal gelesen

Wer einmal die Diagnose Gliom WHO-Grad 4 bekommen hat, spürt schnell: Die Karten stehen schlecht. Diese Hirntumorform streut rasant und lässt sich auch durch die fortschrittlichsten, klassischen Behandlungswege – Operation, Bestrahlung und Chemotherapie – nur selten langfristig aufhalten. Symptome wie epileptische Anfälle, Lähmungen oder diffuse Kopfschmerzen sind keine Ausnahme, sondern eher Regel. Immer wieder wird deutlich, wie verzweifelt die Lage vieler Erkrankter ist, da nach heutigem Stand der Medizin die Lebenserwartung meist irgendwo zwischen anderthalb und zwei Jahren liegt – auch wenn alles versucht wird.

Hier setzen jetzt innovative Therapien an: TTFields – auf Deutsch meist „Tumor Treating Fields“ genannt – arbeiten mit leichten, gepulsten elektrischen Feldern. Sie machen den Krebszellen wortwörtlich den Strom ab, indem sie gezielt in die Teilung „eingreifen“ und so das Wachstum behindern. Gesunde Zellen bekommen davon so gut wie nichts mit, jedenfalls solange sie sich nicht teilen. Klinisch ist dieses Verfahren inzwischen Routine für Erwachsene mit frischem WHO-Grad-4-Gliom. Die Anwendung mag ungewohnt wirken: Ein portables Gerät wird am Körper getragen, spezielle Elektroden, Arrays genannt, werden auf den Kopf gesetzt, und das Feld wirkt direkt dort, wo der Tumor sein Unwesen treibt.

Spannend ist, dass diese Technik nicht bei Hirntumoren haltmacht. Seit 2022 gibt’s die Methode für das Mesotheliom und seit vorigem Jahr – frisch zertifiziert – auch für bestimmte Formen des Lungenkrebses. Letztlich geht’s dabei gar nicht um klassische Chemie, wie bei Tabletten oder Infusionen – hier wirkt Physik. Das ist vielleicht auch der Grund, warum das Thema dieses Jahr beim Krebstreffen so groß rauskommt. Denn die Integration solcher neuartiger Behandlungsansätze in den Klinikalltag wirft nicht nur praktische, sondern auch ethische und soziale Fragen auf. Es bleibt ein Raum zwischen Wissenschaft, Hoffnung und menschlichen Geschichten.

Übrigens: Die Geräte, Optune Gio und Optune Lua, sind mittlerweile CE-zertifiziert und als ergänzende Therapie zugelassen – immer in Kombination mit bestehenden Behandlungsschemata. Klar, es bleibt dabei: Man sollte sich stets mit dem Fachpersonal abstimmen und alle Kontraindikationen berücksichtigen (siehe auch die Produkthandbücher online). Vielleicht ist es gerade dieser Mix aus radikalen Innovationen und kritischer Reflexion, der den Krebskongress und die Debatte in Berlin so besonders spannend macht.

Die aktuelle Forschung auf dem Deutschen Krebskongress zeigt deutlich, wie schwierig und existenziell herausfordernd die Behandlung von Gliomen des WHO-Grad 4 weiterhin bleibt, trotz jahrzehntelanger Fortschritte in der Onkologie. Die Vorstellung und zunehmende Anwendung der TTFields-Therapie markiert einen wichtigen Meilenstein: Mit Hilfe elektrischer Felder wird der Zellteilungsprozess in Tumorzellen gestört, wodurch deren Wachstum gezielt gebremst werden kann – das Ganze non-invasiv und ohne die Nebenwirkungen vieler klassischer Methoden. Von besonderem Interesse ist momentan die Übertragbarkeit dieser Therapie auf andere Krebsarten wie Mesotheliom und nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, was Hoffnung auf einen Paradigmenwechsel nährt.

Im Internet finden sich aktuell zahlreiche Stimmen zu neuen Therapieoptionen im Bereich Krebs und speziell Hirntumoren. Die „Süddeutsche Zeitung“ etwa berichtet über innovative Immuntherapien und die schwierigen Fortschritte bei selteneren Tumorarten, wobei immer auch die Versorgungslage in ländlichen Regionen thematisiert wird. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ geht kritisch auf die Kosten und die schwierige Implementierung neuartiger Technologien in den Alltag großer Kliniken ein, während auf „Spiegel Online“ eine Reportage die Emotionen und Erwartungen von Patienten mit Hirntumoren schildert und dabei die Bedeutung individueller Therapiewege hervorhebt.

Zusätzlich greifen verschiedene Fachportale die Notwendigkeit auf, Innovationen wie TTFields mit bereits etablierten Behandlungen zu kombinieren und diskutieren Herausforderungen bei der Abwägung von Chancen und Risiken. Auch ethische Fragen rund um experimentelle Therapien, den Zugang für Betroffene und die Rolle der Gesundheitsbehörden bei Zulassung und Förderung neuer Methoden stehen im Raum. Besonders aufgefallen ist die Diskussion um die Balance zwischen wissenschaftlichem Fortschritt, Patientennutzen und Alltagsrealität im deutschen Gesundheitssystem.

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