„Menschen aus Seenot zu retten, hat nichts mit parteipolitischer Agenda zu tun. Es ist schlicht eine menschliche Verantwortung“, bemerkt Knut Fleckenstein auf dem Rettungsschiff 'Humanity I'. Dennoch – so führt er fort – würden ehrenamtliche Seenotretter von behördlicher Seite systematisch ausgebremst, etwa durch Vorschriften, willkürliche Hafensperrungen oder direkte Strafzahlungen. Er spricht von einem „unglaublichen Skandal“, dass Hilfe für Ertrinkende kriminalisiert wird – während das zentrale Mittelmeer zu einem der gefährlichsten Orte der Migration mutiert ist.
Wiederholte Festsetzung und Geldstrafe
Zwischen 2014 und 2025 fanden nach Zahlen der IOM mehr als 33.000 Menschen auf dem Mittelmeer den Tod oder gelten als verschollen. In den ersten zwei Monaten von 2026 kamen über 600 weitere Menschen dazu – ein trauriger Höchststand für die letzten Jahre. SOS Humanity, 2015 unter dem Dach von SOS Mediterranee gegründet, fährt seit 2022 mit der 'Humanity I'. Das Schiff hat bislang knapp 5.000 Menschen gerettet, ein Viertel davon sind Minderjährige. Gegenwind gibt’s trotzdem: Kürzlich wurde der Kutter wieder in Italien festgesetzt und mit einer vielsagenden Strafe von 10.000 Euro belegt.
Politische Forderungen und Engagement
Wenn es keine sichere Migration nach Europa gebe, würden die Verantwortlichen Menschen wissentlich in tödliche Gefahr zwingen, so Fleckenstein. Der ASB fordert: Die EU muss die Rettung endlich zentral koordinieren, Lebensrettung sei niemals Privatsache allein. Seit Jahren wirken ASB und weitere Hilfsorganisationen mit Förderungen, gemeinsamen Projekten und Preisen wie dem Annemarie-Renger-Preis unterstützend für SOS Humanity. Circa 640.000 Euro flossen seit 2019 an die Organisation.
Kritik an staatlichem Rückzug
Besonders bitter: Das Auswärtige Amt hat seine Beiträge für Seenotrettung gestrichen, und auch die Entwicklungshilfe wurde im Bundeshaushalt 2025 drastisch reduziert. Fleckenstein wirft der Bundesregierung Vertragsbruch und Kurzsichtigkeit vor – und warnt vor den Folgen für Schutzsuchende im Mittelmeer und weltweit.
Für Nachfragen:
Diana Zinkler
Leitung Kommunikation, ASB Deutschland e.V.
Tel.: 030/2325786-122 | Mobil: 0152/247 552 09
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Der ASB tritt klar für zivile Seenotrettung ein und richtet scharfe Kritik an die Politik, die Rettungsschiffe wie SOS Humanity häufig behindert. Die 'Humanity I' wurde erneut von italienischen Behörden festgehalten und mit Geldbußen belegt – eine Praxis, die internationale Hilfsorganisationen zunehmend an ihre Grenzen bringt. Während sich das Mittelmeer zur tödlichsten Fluchtroute Europas entwickelt hat, zieht sich die deutsche Politik finanziell mehr und mehr aus der humanitären Hilfe zurück; so wurden sowohl Gelder für Seenotrettung als auch für humanitäre Auslandshilfe im Bundeshaushalt drastisch gekürzt. Laut Recherchen (u.a. ZEIT, taz, Deutschlandfunk, Tagesspiegel und FAZ) zeichnet sich in der Berichterstattung der letzten 48 Stunden ab, dass die Auseinandersetzung um zivile Seenotrettung längst zur Nagelprobe europäischer Solidarität geworden ist: Während Organisationen wie SOS Humanity immer wieder aktiv festgesetzt und mit Bußgeldern belegt werden, fordern zahlreiche NGOs ein koordiniertes europäisches Seenotrettungsprogramm und warnen vor „staatlicher Vernachlässigung, die Menschenleben kostet“. Immer mehr Stimmen fordern einen Paradigmenwechsel in der europäischen Asyl- und Außengrenzenpolitik – und kritisieren das politische Wegschauen besonders drastisch angesichts regelmäßig neuer Opferzahlen.