Normendickicht im Wohnungsbau: Kontrollrat pocht auf pragmatischere Standards

Angesichts explodierender Baupreise und dringendem Wohnraumbedarf bringt der Nationale Normenkontrollrat (NKR) den Vorschlag ein, DIN-Normen im Baubereich drastisch zu entschlacken und flexiblere Vorschriften zuzulassen.

heute 12:41 Uhr | 2 mal gelesen

Laut 'Handelsblatt' greift der NKR in einem aktuellen Positionspapier das Kernproblem der deutschen Baukrise auf: Zu viele, zu komplexe Vorschriften. Besonders die oftmals starr festgelegten DIN-Normen werden als Kostentreiber und Innovationsbremse kritisiert. NKR-Präsident Lutz Goebel findet: 'In Deutschland ein günstiges Haus zu bauen, ist heute ein mutiger Akt – paradoxerweise viel schwieriger als sich in die Flut der Normen einreihen.' Dieses starre Denken sei ehrlich gesagt ein Eigentor. Es sei Zeit, kritisch zu sortieren, was wirklich essenziell für Bewohner und Umwelt ist – und was schlicht bürokratisch übertrieben erscheint. Der Vorschlag des NKR: Bauherren und Unternehmen sollen zwischen verschiedenen Standardstufen wählen dürfen – quasi ein Baukasten für Wohnbauten. Zentrale DIN-Normen würden gestaffelt, sodass ein „Minimalstandard“ die Basis bietet und alles Höhere freiwillig ergänzt werden kann. Weniger Zwang, mehr Pragmatismus. Hintergrund des Ganzen: Die Bundesregierung tüftelt derzeit an einem Gesetz für den sogenannten Gebäudetyp E. Ziel ist dort genau das – Standards, die nicht unbedingt sein müssen, rechtssicher weglassen zu können. Noch im Frühjahr will das Justizministerium hierzu einen Referentenentwurf vorlegen, wie es heißt. Was die NKR-Idee letztlich aufbringen will? Eine Entwirrung des Normendschungels, damit Wohnraum wieder bezahlbar und innovativer machbar wird. Persönlich frage ich mich beim Blick aufs deutsche Bau(un)wesen: Brauchen Klinkersteine wirklich DIN-Angaben bis aufs Komma? Oder reicht manchmal nicht einfach gesundes Gutes-Bauen-Gefühl?

Der Nationale Normenkontrollrat (NKR) prangert die Flut technischer Bauvorgaben als zentrales Hindernis bei der Schaffung von Wohnraum an und fordert ein Ende des deutschen Perfektionismus zugunsten erschwinglicherer Wohnungen. Indem Abstufungen bei den Baustandards ermöglicht werden, könnten einfachere und preiswerte Wohngebäude entstehen, argumentiert der NKR – eine Position, die auch im Kontext zunehmender sozialer Ungleichheit an Bedeutung gewinnt. Neuere Recherchen zeigen, dass die Bundesregierung im Rahmen des kommenden Gebäudetyp-E-Gesetzes tatsächlich auf flexible Ausführungsstandards hinarbeitet; allerdings gibt es innerhalb der Bauwirtschaft skeptische Stimmen, die vor Qualitätseinbußen und Problemen bei Gewährleistung und Haftung warnen. Verschiedene Medien berichten über die Proteste von Wohnungsbauunternehmen und sozialen Verbänden, die in den aktuellen Normierungen eine Hauptursache der Baukostenexplosion und des Wohnraummangels sehen. Zeitgleich zeigt sich, dass die Länder unterschiedliche Bereitschaft zeigen, solche Standards zu lockern – unter anderem auch, weil Investoren und Kommunen um die Marktattraktivität sorgen.

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