Notfallplan für Pflegefinanzen: Die PKV legt nach

Köln – Angesichts alarmierender Zahlen schlägt der Verband der Privaten Krankenversicherung ein dreiteiliges Maßnahmenpaket vor, um den drohenden Kollaps bei der Finanzierung der Sozialen Pflegeversicherung abzuwenden.

heute 13:32 Uhr | 2 mal gelesen

Die Statistiken, die der GKV-Spitzenverband aktuell vorlegt, sind mehr als nur ein Weckruf: 2026 wird für die Soziale Pflegeversicherung ein Defizit von rund 2,8 Milliarden Euro erwartet – und 2027 kratzt die Lücke an der Fünf-Milliarden-Marke. Kein Wunder, dass längst keine Zeit mehr für politische Vertröstungen bleibt. Deshalb prescht der PKV-Verband jetzt vor: Mit einem Sofortplan, der die Belastung der Beitragszahler im Blick hat und zugleich wirksam gegensteuern soll.

„Es reicht nicht mehr, den Kopf in den Sand zu stecken“, meint Florian Reuther, Direktor des PKV-Verbands. Die alte Idee, einfach Kredite aufzunehmen, um Zeit zu kaufen, überzeugt ihn nicht mehr – tatsächlich, sagt er, gehe es längst um Generationengerechtigkeit und darum, den Beitragssatz nicht weiter ausufern zu lassen. Gehandelt müsse sofort werden, so sein Appell: drei konkrete Schritte, um die Pflegeversicherung zu stabilisieren.

  • Erstens: Einer der größten Kostenfresser ist der Zuschuss zu den Eigenanteilen in Pflegeheimen (§ 43c SGB XI). Satte acht Milliarden Euro kostet das die Sozialkassen jährlich – Geld, das im Wesentlichen auch Gutverdienende und deren Erben erhalten. Reuther findet: Der Umfang dieser Leistungen sollte begrenzt werden, zumindest müssten sie nicht immer weiter steigen.
  • Zweitens: Die Leistungen der Pflegeversicherung müssen fokussierter gewährt werden. Durch die Reform des Pflegebedürftigkeitsbegriffs 2015 wurden die Ansprüche so weit gefasst, dass das System zu erodieren droht. Ein neues, strengeres Begutachtungssystem soll Abhilfe schaffen.
  • Drittens: Private Eigenvorsorge ist und bleibt unerlässlich. Deren Förderung – etwa als Bestandteil betrieblicher Altersversorgung oder mithilfe von Steueranreizen – schlägt der PKV-Verband als strukturelles Fundament vor, um die notorische 'Pflegelücke' zu schließen.

Warnende Worte hat Reuther für das, was gerade im Rahmen der Bund-Länder-Arbeitsgruppe 'Zukunftspakt Pflege' debattiert wird: Leistungsausweitungen würden das Defizit explodieren lassen – zulasten der kommenden Generationen, und damit alles andere als sozial gerecht. Auch hier zeigt die PKV Alternativen auf: Eigenverantwortung statt Dauerschulden. Er verweist darauf, dass Deutschland schon heute einen Rekord bei Sozialabgaben hält und höhere Beiträge schlicht unpraktikabel sind.

In einem Satz zusammengefasst sagt Reuther: Die Zeit der Durchhalteparolen ist vorbei – und die Expertise aus der privaten, kapitalgedeckten Pflegeversicherung könne und solle die Politik jetzt abrufen. Wer Genaueres wissen will: Das vollständige Sofortprogramm gibt es hier zum Download.

Pressekontakt:
Dominik Heck
Geschäftsführer/Kommunikation, PKV-Verband, Heidestraße 40, 10557 Berlin
Tel: 030 / 20 45 89 - 44
Mail: dominik.heck@pkv.de

Meldung: Ursprung PKV – via news aktuell

http://ots.de/5f03b5

Der neue Vorstoß der Privaten Krankenversicherungen will die dramatische Schieflage der Sozialen Pflegeversicherung in den kommenden Jahren entschärfen. Neben der Forderung nach einer Begrenzung der teuren Zuschläge für Pflegeheim-Eigenanteile plädiert der Verband für gezieltere Leistungsgewährung und eine Stärkung der privaten Vorsorge – auch mit steuerlichen Förderungen. Neuere Berichte von taz und FAZ thematisieren die Diskussion um eine Finanzreform im Pflegebereich: Laut taz geht es verstärkt um soziale Gerechtigkeit und faire Belastung der Generationen, während die FAZ über den Druck berichtet, der durch die Alterung der Gesellschaft und steigende Kosten auf das System wächst. Überdies zeigen aktuelle Analysen, dass sich der Reformdruck durch die aktuelle Haushaltslage nochmals erhöht und ein politischer Konsens über die Richtung aussteht. Die Süddeutsche beschreibt außerdem, dass eine weitere Erhöhung der Sozialbeiträge direkt auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft durchschlägt – wodurch man mit neuen Konzepten liebäugelt, die auf Eigen- und Privatvorsorge setzen.

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