Ostdeutsche Firmen geben Bundesregierung schlechtere Noten

In Ostdeutschland regt sich zunehmender Unmut über den wirtschaftspolitischen Kurs aus Berlin – dies zeigen aktuelle Umfragen deutlich.

heute 07:47 Uhr | 14 mal gelesen

Das Ifo-Institut legte am Montag frische Zahlen auf den Tisch: Die Kritik am wirtschaftspolitischen Handeln der Ampel-Regierung fällt im Osten heftiger aus als im Westen. Im Schnitt vergeben ostdeutsche Unternehmen eine 4,27, westdeutsche immerhin noch eine 4,14 – beides eher durchwachsene Bewertungen, aber die Nuance ist deutlich. Interessanterweise kann man beobachten, dass gerade die Bauwirtschaft und der Einzelhandel im Osten besonders hart ins Gericht gehen, während Branchen wie Industrie, Großhandel und Dienstleistungen keinen nennenswerten Ost-West-Knacks zeigen. Laut Joachim Ragnitz vom Ifo Dresden steigt der Frust zum Teil bis zur Schulnote 6 – was immerhin jeder achte ostdeutsche Betrieb zieht, im Westen ist es nur jeder zwölfte. Letztendlich schneidet die Bundesregierung deutschlandweit am schlechtesten bei Sozial- und Rentenpolitik ab, aber auch in Punkten wie Klimapolitik, Finanzen und Industrie gibt es Grummeln aus dem Osten. Der Tenor aus der Wirtschaft scheint eindeutig: Es herrscht Reformstau, und die Geduld wird zunehmend dünn.

Ich finde es bemerkenswert – und ehrlich gesagt auch nachvollziehbar –, dass der wirtschaftliche Frust im Osten größer scheint als im Westen. Vielleicht spielt hier eine Mischung aus historischem Ballast, strukturellen Schwächen, aber auch höheren Erwartungen an die Politik eine Rolle. Klar ist: Die Regierung bekommt ausgerechnet bei Themen wie Sozial- und Energiepolitik schlechte Noten. Das belegt nicht nur das Ifo-Institut, sondern diverse andere wirtschaftliche Stimmen. Hinter dem nüchternen Zahlenwerk steckt ein generationsübergreifendes Gefühl von Zurückgelassenwerden – oder zumindest von ungenügendem Gehör. Aktuelle Analysen (z.B. bei Zeit Online, Spiegel und Süddeutsche) berichten ebenfalls über eine wachsende Unzufriedenheit ostdeutscher Betriebe mit den aktuellen politischen Rahmenbedingungen. Besonders Reformstau, schleppende Transformation und die Unsicherheit rund um Energiekosten werden genannt. In Gesprächen mit mittelständischen Unternehmern aus Sachsen und Brandenburg hört man sowas wie: "Wir haben keine Zeit mehr für zögerliches Lavieren." Das Ifo-Institut sieht hier dringenden Handlungsbedarf, will die Regierung nicht noch mehr Vertrauen verspielen.

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