Ich finde es bemerkenswert – und ehrlich gesagt auch nachvollziehbar –, dass der wirtschaftliche Frust im Osten größer scheint als im Westen. Vielleicht spielt hier eine Mischung aus historischem Ballast, strukturellen Schwächen, aber auch höheren Erwartungen an die Politik eine Rolle. Klar ist: Die Regierung bekommt ausgerechnet bei Themen wie Sozial- und Energiepolitik schlechte Noten. Das belegt nicht nur das Ifo-Institut, sondern diverse andere wirtschaftliche Stimmen. Hinter dem nüchternen Zahlenwerk steckt ein generationsübergreifendes Gefühl von Zurückgelassenwerden – oder zumindest von ungenügendem Gehör. Aktuelle Analysen (z.B. bei Zeit Online, Spiegel und Süddeutsche) berichten ebenfalls über eine wachsende Unzufriedenheit ostdeutscher Betriebe mit den aktuellen politischen Rahmenbedingungen. Besonders Reformstau, schleppende Transformation und die Unsicherheit rund um Energiekosten werden genannt. In Gesprächen mit mittelständischen Unternehmern aus Sachsen und Brandenburg hört man sowas wie: "Wir haben keine Zeit mehr für zögerliches Lavieren." Das Ifo-Institut sieht hier dringenden Handlungsbedarf, will die Regierung nicht noch mehr Vertrauen verspielen.