Pistorius stoppt Bau der Fregatten F126 offiziell – Kurswechsel bei der Marinebeschaffung

Das Verteidigungsministerium zieht die Reißleine: Das aufwendige F126-Fregattenprogramm ist Geschichte. Der Fokus verschiebt sich jetzt auf acht neue MEKO-Schiffe, die speziell für die U-Boot-Abwehr ausgelegt sind.

heute 10:59 Uhr | 3 mal gelesen

Was lange kriselt, nimmt nun ein rasches Ende: Das Verteidigungsministerium macht Nägel mit Köpfen und erklärt das Mammutprojekt F126 für beendet. Wie es in der offiziellen Erklärung hieß, sei vor allem das Damoklesschwert kräftig steigender Kosten – und ein drohender Generalunternehmerwechsel mit kaum kalkulierbaren Risiken – ausschlaggebend. Eigenartig eigentlich, wie oft in den letzten Jahren ambitionierte Rüstungsprojekte am deutschen Perfektionismus und wuchernden Kostenplänen zerbrachen. Damen Schelde Naval Shipbuilding, einst beauftragt, konnte die Zeitvorgaben schlicht nicht stemmen – schon gar nicht innerhalb des Budgetrahmens von zehn Milliarden für sechs Schiffe. Und nun stellt sich heraus: Hätte man den Hut gewechselt, hätte das Unterfangen wohl über 18 Milliarden verschlungen. Das Pikante daran: Wäre ein neuer Generalunternehmer ins Boot gestiegen, wäre die Option auf Schadensersatz gegen Damen ebenfalls perdu gewesen – ein fast schon grotesker Doppelschlag. Nun also Plan B: Beschafft werden sollen acht MEKO A-200 DEU-Fregatten (wer denkt da nicht an Automodelle?), die vor allem dafür gebaut sind, U-Boote aufzuspüren. Laut Marineinspekteur tickt man damit alle Kästchen für NATO-Standards. Die ersten vier Schiffe sollen rund 6,3 Milliarden Euro kosten – vorausgesetzt, der Haushaltsausschuss nickt alles ab. Eine Option auf vier weitere bis Ende 2026 würde noch einmal 5,3 Milliarden kosten. Das klingt nach viel Geld – ist es auch. Aber offenbar wenigstens berechenbarer. Dazwischen bleibt ein schaler Beigeschmack, wie häufig in der deutschen Verteidigungspolitik.

Das abrupt beendete F126-Fregattenprojekt ist nur das jüngste Kapitel im Dauerkonflikt zwischen Anspruch und Realität deutscher Rüstungsvorhaben. Die Entscheidung folgt auf erhebliche Verzögerungen und explodierende Kosten, wobei die Bundesregierung Kalkulierbarkeit und Verlässlichkeit nun wichtiger zu gewichten scheint als gigantische Neuerungen. Laut aktuellen Medienberichten herrscht ohnehin große Skepsis gegenüber Großprojekten – stattdessen setzt man verstärkt auf praxiserprobte Beschaffungen. Recherchen zeigen, dass in der Rüstungsindustrie kaum noch Projekte ohne massive Kostensteigerungen und Zeitverzug auskommen, wie auch die Diskussionen um den Schweren Transporthubschrauber oder die Tornado-Nachfolge demonstrieren. Die MEKO-Fregatten bieten zumindest kurzfristig verlässliche Fähigkeiten für die Bündnisverpflichtungen der Bundeswehr. Zudem berichten internationale Beobachter, dass Partnerschaften und Standardisierung innerhalb der NATO künftig deutlich stärker priorisiert werden sollen, um finanzielle und technische Risiken weg vom nationalen Alleingang zu wuchten.

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