Politik am Spielfeldrand: Schwarz-Rot hofft auf WM-Effekt
Die Koalition aus Union und SPD setzt darauf, dass die Fußballweltmeisterschaft für neuen Schwung in der Gesellschaft – und vielleicht auch bei den politischen Projekten – sorgt. Dirk Wiese (SPD) äußerte im Gespräch mit der 'Rheinischen Post', dass schon das Mitfiebern bei der WM ein Gemeinschaftsgefühl schaffe, das dem Land guttue.
vor 43 Minuten | 2 mal gelesen
Dirk Wiese glaubt fest an Bundestrainer Julian Nagelsmann und dessen Erfahrung bei der Auswahl des Teams. Interessehalber: Wer weiß schon im Vorfeld, ob die Personalentscheidungen wirklich greifen? Aber Wiese sieht darin ganz bewusst Parallelen zur Politik: "Ohne Mut, Vertrauen und das berühmte Zusammenstehen läuft nicht viel – weder auf dem Rasen, noch in der Regierung", betont er. Womöglich klammert man sich ein wenig an diese positiven Narrative, immerhin tut kollektives Jubeln manchmal mehr für die Moral als hundert Sommerschlussverkaufswerbungen. Und im Endeffekt geht es ja auch um das Gefühl, dazu zu gehören, Teil von etwas Größerem zu sein – was, Hand aufs Herz, in politischen Krisenzeiten manchmal ein seltener Gast ist.
Die schwarz-rote Koalition sucht bei der Fußballweltmeisterschaft 2024 nach einer Art gesellschaftlichem Stimmungsaufheller. Dirk Wiese von der SPD betont den Wert des Gemeinschaftsgefühls, den ein erfolgreiches Turnier der Nationalmannschaft mit sich bringen könne – und zieht Parallelen zu den Herausforderungen in Politik und Wirtschaft. Ganz uneingeschränkte Euphorie herrscht dennoch nicht: In den Medien wird diskutiert, ob Sportereignisse tatsächlich nachhaltigen Einfluss auf gesellschaftliche Kohäsion oder politische Stimmungen haben, oder ob es sich um einen kurzfristigen Effekt handelt. Erst kürzlich wurde berichtet, dass die Erwartungen an das sportliche Abschneiden Deutschlands eher gedämpft sind, sowohl in der Mannschaft als auch im Umfeld, was manche Politiker jedoch umso mehr motivieren könnte, den „WM-Schub“ als emotionalen Hoffnungsschimmer zu nutzen (vgl. Zeitungsberichte und Sportkolumnen). WM-Veranstaltungen werden außerdem zunehmend als Bühne für gesellschaftliche Themen verstanden – von Integration bis zu Diskussionen um Nachhaltigkeit oder politische Botschaften der Sportlerinnen und Sportler.