Eine Umfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland unter den Justizministerien der Länder zeigt ein angespanntes Bild: In zehn von 16 Bundesländern herrscht derzeit in den Gefängnissen eine nahezu vollständige oder sogar überschrittene Auslastung. Die Situation hat sich im Vergleich zum Sommer 2025 weiter zugespitzt; nur vereinzelt – etwa in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern sowie im Saarland – gibt es leichte Entspannung oder stabile Belegungszahlen vorzuweisen. Hamburg hält mit einer immer noch extrem hohen Quote von 96 Prozent an der Spitze, bei einer sogenannten 'Vollbelegung' sprechen Experten bereits ab Quoten von 85 bis 90 Prozent, da etwa Sanierungen und Sicherheitsaspekte berücksichtigt werden müssen. Rechnerisch ergibt sich ein bundesweiter Mittelwert von gut 86 Prozent belegten Haftplätzen für das Frühjahr 2026. Den höchsten Druck meldet Bremen: Dort wird die Kapazitätsgrenze mit 103 Prozent klar überschritten, dicht gefolgt von Rheinland-Pfalz, Hamburg, Baden-Württemberg, Hessen und dem Saarland, in denen die Auslastung zum Teil knapp unter oder sogar über 90 Prozent liegt. Kaum ein Bundesland kommt noch ohne mindestens eine komplett gefüllte JVA aus; einige Häuser sind – selbst mit Einberechnung des offenen Vollzugs – drastisch überfüllt. Gerade in Baden-Württemberg sieht es dabei besonders kritisch aus, insbesondere in den Anstalten Rottweil (125 Prozent), Offenburg (114 Prozent) und Ravensburg (113 Prozent). Die Daten wurden am 29. April 2026 abgefragt, wobei die Angaben teils aus unterschiedlichen Stichtagen im Frühling stammen. Erfasst sind Häftlinge aller Altersgruppen und Geschlechter sowie verschiedene Haftarten – insgesamt also ein schonungsloses Bild des aktuellen Strafvollzugsalltags.
Die Justizvollzugsanstalten in Deutschland zeigen einen bedenklichen Trend zu Überbelegung, insbesondere in zehn Bundesländern, darunter besonders Bremen und Baden-Württemberg mit Auslastungsquoten jenseits der Kapazitäten. Die Ursachen dafür sind vielfältig – nicht nur steigende Inhaftierungszahlen durch strengere Gesetze, sondern auch der immer schlechtere bauliche Zustand alter Anstalten, Personalmangel und teils verzögerte Neubauprojekte verschärfen die Lage. Die Debatte um Alternativen zur Haft, mehr Prävention und flexiblere Formen der Strafvollstreckung gewinnt vor diesem Hintergrund weiter an Bedeutung, zumal die Bevölkerung und Justiz zunehmend über die Risiken (z.B. Gewalt unter Gefangenen, Überlastung des Personals) diskutieren. Aktuell fordert etwa die Landesjustizministerinnenkonferenz mehr Bundeshilfe für Sanierungen und eine Entlastung bei Bagatelldelikten und Ersatzfreiheitsstrafen.