Warnsignale aus der Bauwirtschaft: Droht dem Wohnungsmarkt ein Sturzflug?

Wohnungsknappheit könnte sich drastisch verschärfen – Branchenvertreter schlagen Alarm wegen rückläufiger Fertigstellungen.

heute 00:02 Uhr | 3 mal gelesen

Robert Feiger, Vorsitzender der IG Bau, malt ein düsteres Bild für den deutschen Wohnungsbau: Nach seiner Einschätzung könnten dieses Jahr weniger als 200.000 neue Wohnungen fertiggestellt werden. Das wäre weit entfernt von dem, was nach Meinung vieler Fachleute aktuell gebraucht wird – nämlich rund 400.000 pro Jahr. Was wie eine trockene Zahl klingt, ist in Wahrheit explosiver sozialer Zündstoff. Erinnern wir uns an die Zeit, als Baustellen zum nahezu festen Stadtbild gehörten? Inzwischen könnten diese bald seltener werden, als Baukräne in der Wintersonne. Das Ifo-Institut schätzt für das vergangene Jahr rund 205.000 neue Wohneinheiten – satte 20 Prozent weniger als zuvor. Am Freitag will das Statistische Bundesamt neue Zahlen präsentieren, doch die Hoffnungen auf bessere Nachrichten sind wohl gering. Das angesprochene Bündnis von Bau-, Mieter- und Immobilienverbänden drängt auf einen gesetzlichen Rahmen, der mehr Rechtssicherheit bietet – konkret setzen sie auf den Gebäudetyp E als neuen Standard. Sinnvoll, denn Unsicherheiten am Bau sind Gift für Investoren. Sie fordern außerdem eine präzisere Statistik zu Baubeginnen, damit nicht erst nachträglich über Probleme diskutiert wird. Feiger bringt es auf den Punkt: Wer wirklich die Wirtschaft ankurbeln möchte, müsse bezahlbaren Wohnungsbau endlich priorisieren. Kurios eigentlich, dass jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland mit der Bauwirtschaft verknüpft ist – und doch gerät dieses Thema immer wieder unter die Räder größerer Debatten.

Der Wohnungsbau in Deutschland steht vor einem massiven Dämpfer: Branchenverbände warnen eindringlich vor einem Absturz bei den Fertigstellungen auf unter 200.000 Einheiten im laufenden Jahr, was weit hinter dem Bedarf von 400.000 neuen Wohnungen liegt. Gründe sind hohe Baukosten, Zinsanstieg, strenge Regulierung, Materialengpässe und ein spürbarer Rückgang der Baugenehmigungen. Trotz mehrfacher Appelle der Baubranche und Experten bleibt eine spürbare politische Lösung bislang aus: Besonders der Fokus auf den Gebäudetyp E, erleichterte Genehmigungsverfahren und gezielte Förderungen werden als Stellschrauben benannt, die aber noch nicht ausreichend greifen. Laut dpa und Branchendienst 'haufe.de' haben im ersten Quartal 2024 die Zahl der Baugenehmigungen sogar erneut nachgegeben. Experten warnen davor, dass ein weiterer Rückgang des Neubaus auf Dauer das Mietpreisniveau weiter nach oben treiben und die gesellschaftlichen Spannungen, besonders in Ballungsräumen, verstärken könnte. Die Wohnungsnot entwickelt sich zunehmend zu einem politischen und sozialen Brennpunkt in Deutschland.

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