Polizeibeauftragter Grötsch pocht auf Gleichstellung bei Führungspositionen in Bundespolizei und BKA

Uli Grötsch, der Polizeibeauftragte des Bundestages, plädiert für ausgewogene Besetzungen der Leitungsebenen bei Bundespolizei und BKA – Frauen müssten endlich sichtbarer in Führungsfunktionen werden.

heute 19:12 Uhr | 4 mal gelesen

„Frauen haben das gleiche Recht, in der Bundespolizei und dem Bundeskriminalamt Karriere zu machen – und daran sollten unsere Strukturen angepasst werden“, sagte Uli Grötsch dem Münchner Merkur. Die Vorstellung, Polizeiarbeit sei reine Männersache, hält er für veraltet: „Frauen ticken vielleicht manchmal anders, das ist alles. Das ist oft sogar ein Vorteil – aber sie arbeiten nicht schlechter.“ Während das BKA einen vergleichsweise höheren Frauenanteil in Führungsaufgaben hat, herrsche laut Grötsch selbst dort und erst recht bei der Bundespolizei immer noch deutlicher Nachholbedarf. Rund ein Fünftel der aktiven Bundespolizisten sind Frauen, im höheren Dienst sogar nur etwa jede siebte Stelle weiblich besetzt. Im Bundeskriminalamt arbeiten insgesamt 41 Prozent Frauen, doch nur jede vierte von ihnen bekleidet eine wirklich hochrangige Position, etwa als Abteilungsleiterin. „Dass wir abwarten, bis das irgendwann von selbst passiert, kann und darf nicht sein“, betonte Grötsch. Es müssten gezielt Arbeitsbedingungen und Karrierewege so gestaltet werden, dass unterschiedliche Lebensmodelle möglich sind – sonst verliere man weiterhin Potenzial. Sein Anspruch ist eindeutig: Wenn seine Zeit als Polizeibeauftragter endet, soll Parität bei der Besetzung von Führungsstellen in beiden Behörden nicht länger ein frommer Wunsch, sondern die Regel sein. Auch einen gesetzlichen Rahmen dafür schließt er nicht aus: „Wir geben alles. Ob es reicht? Das werden wir sehen.“

Uli Grötsch macht sich für gleiche Karrierechancen und eine annähernd 50:50-Besetzung in den Chefetagen der Bundespolizei und des BKA stark. Während das BKA insgesamt einen höheren Anteil weiblicher Beschäftigter hat, liegen besonders im Bereich der hochdotierten Ämter beide Behörden noch weit hinter dem Gleichstellungsanspruch zurück. Laut aktuellen Medienberichten liegt der Frauenanteil in Führungspositionen auch bundesweit im öffentlichen Dienst generell bei nur etwa 35 Prozent, während das Ziel der Parität immer wieder verschoben wird, vor allem in klassischen Männerdomänen wie Polizei und Sicherheitsapparat. Trotz einstweiliger Initiativen hakt es häufig an echten Chancengleichheiten – zum Beispiel durch Nachwuchsförderprogramme oder Dienstzeitmodelle, die auf weibliche Lebensrealitäten Rücksicht nehmen. Laut neuen Diskussionen in Politik und Gesellschaft werden gesetzliche Quoten zunehmend als möglicherweise wirksames Mittel gesehen, um die Veränderung zu beschleunigen.

Schlagwort aus diesem Artikel