Besonders in den Bereichen Dienstleistungen und Handel hat sich die Erwartung, die Preise hochzuschrauben, etwas abgeschwächt. Dienstleister und Händler reduzierten ihre Preiserwartungen von 27,2 beziehungsweise 54,3 Punkten im April auf nun 25,0 und 48,7. Auch im verarbeitenden Gewerbe ist der Wert gefallen, von 34,4 auf 32,0 – keine Riesenwende, aber immerhin ein Schritt. Unter den energieintensiven Betrieben ist der Preisdruck merklich geringer: 41,8 Punkte im Mai statt 47,4 zuvor. Kurios: Firmen, die weniger Energie verbrauchen, planen sogar etwas mehr Preisaufschläge als noch im April.
Wie misst das Ifo-Institut eigentlich diese Stimmung? Nicht ganz selbsterklärend: Die Punkte geben an, wie viele Betriebe unterm Strich ihre Preise anheben wollen – es werden die Anhebungs- und Senkungswilligen gegeneinander verrechnet. Theoretisch könnte der Wert zwischen -100 (alle wollen senken) und +100 (alle wollen erhöhen) liegen. Die Umfrage gibt allerdings nicht preis, um welchen Prozentsatz die jeweiligen Preise angehoben oder gesenkt werden sollen. Nur die Richtung, nicht die Geschwindigkeit.
Die Preiserwartungen deutscher Unternehmen, gemessen vom Ifo-Institut, sind im Mai leicht zurückgegangen, was auf einen etwas nachlassenden Preisdruck hindeutet; gleichzeitig bleiben Energiepreise und Engpässe bei Vorprodukten als wichtige Kostentreiber bestehen und werden wohl auch weiterhin vielfach an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben. Dienstleistungen, Handel und besonders energieintensive Branchen haben ihre Erwartungen an kommende Preissteigerungen etwas gesenkt, während bei weniger energieintensiven Firmen der Trend sogar leicht gegenläufig ist. Aktuelle Medienberichte zeigen, dass die Inflation in Deutschland weiter über dem Zielwert der EZB liegt, etwa bei 2,4 Prozent im Mai, und Experten keine deutliche Entspannung für Konsumenten erwarten – auch global sorgt die Geopolitik (z.B. Spannungen im Nahen Osten, Unsicherheit bei Lieferketten) weiterhin für Volatilität auf den Märkten.