Preisregen für digitalen Humanismus: USTP-Forschende setzen Zeichen gegen Online-Hass

St. Pölten/Wien – Zwei Projekte der University of Applied Sciences St. Pölten mischen die Szene auf: Sie wurden mit dem renommierten 'Praxisaward Digitaler Humanismus' ausgezeichnet. Die Teams beschäftigen sich intensiv mit Social Media, manipulativen Inhalten und wirksamer Gegenrede – und geben Jugendlichen kluge Tools für den Alltag an die Hand.

heute 16:46 Uhr | 1 mal gelesen

Wie bringt man menschliche Werte ins Digitalzeitalter? Mit einem Award vielleicht, aber vor allem durch Taten: Der 'Praxisaward Digitaler Humanismus' ehrt Projekte, die Verantwortung, Gemeinsinn und Technologie klug verknüpfen. Dieses Jahr gehörte die Bühne der St. Pöltner USTP und ihren außergewöhnlichen Forschungsinitiativen gegen Hass und digitale Täuschung.

Zwei Sonderpreise – das klingt nüchtern. Aber dahinter stehen mutige Forschende, die Herausforderungen im Netz nicht nur beklagen, sondern anpacken. Der Award will inspirieren, nicht bloß dekorieren – Vorbildcharakter statt Stillleben. Vielleicht ist das auch bitter nötig, in Zeiten, in denen Algorithmen Einzug in unsere Köpfe halten.

Die Projekte, die ausgezeichnet wurden? Da wäre zum einen FIVE. Klingt nach einem Agentencodename, ist aber ein ernst gemeinter Ansatz gegen digitale Schönheitsideale. Das Team hat herausgefunden, wie Bilder und Posts auf Plattformen wie Instagram mit dem Hashtag #fitspiration gerade auf Jugendliche einwirken: Welche Vorstellungen von Körper und Geschlecht werden da eigentlich weitergegeben? Warum klicken Jugendliche so gerne darauf? Ein eigens entwickelter Blended-Learning-Kurs samt cleverem Bildforensik-Tool hilft, dem Einflusssog zu entkommen. Nicht nur Theorie, sondern ein praktisches Angebot, sogar mit Partnern wie dem Hölzel-Verlag und Genderexpertin Bettina Prokop entwickelt – klingt nach etwas, das in jede Schule gehört.

Und dann ist da noch Counter Speech. Online-Hass, Mobbing, verletzende Kommentare – leider Alltag für viele junge Nutzerinnen und Nutzer. Mit CounterHelp, einer KI-basierten App, die gemeinsam mit Jugendlichen entwickelt wurde, bekommen Betroffene nicht nur Trost-Buttons, sondern auch maßgeschneiderte, echte Vorschläge für wirksame Antworten gegen Hassrede. Vielerorts wird über KI geschimpft – hier nutzt man sie, damit Jugendliche sich nicht im digitalen Nirvana verlieren, sondern handlungsfähig bleiben. "Wir hoffen, damit Gegenrede überall im Netz zu stärken", so Projektleiter Matthias Zeppelzauer – ein Satz mit mehr Substanz als viele Politikerreden.

Unterstützt wurden die Projekte von heimischen Fördereinrichtungen. FIVE bekam Hilfe von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft, Counter Speech wurde vom Wiener Technologiefonds unterstützt. Getragen wird der Preis selbst von zahlreichen Branchengrößen wie msg Plaut, ADV und Partnern wie ORF und Springer – ein kleiner Beweis dafür, dass Menschlichkeit im digitalen Raum auch im großen Stil zählt.

Wer mehr über coole Projekte aus dem Digitalbereich wissen will: Die USTP positioniert sich als europäischer Player in Bildung, Forschung und gesellschaftlicher Teilhabe. Rund 4.000 Studierende tüfteln dort an Lösungen für ein besseres digitales Miteinander. Mehr davon, bitte.

Herzstück der Projektauszeichnung ist, dass die University of Applied Sciences St. Pölten mit FIVE und Counter Speech gezielt gegen problematische Tendenzen in sozialen Netzwerken vorgeht. FIVE rückt den Einfluss manipulierter Fitness-Posts auf das Selbstbild junger Menschen ins Zentrum, entwickelt Methoden zur Aufklärung und konkrete Bildungsangebote, etwa ein Bild-Analyse-Tool zum Selbstausprobieren in Schulen. Counter Speech wiederum setzt direkt bei der digitalen Gegenrede an, nutzt Künstliche Intelligenz, um Jugendlichen Vorschläge für souveräne Reaktionen auf Online-Hass zu liefern und baut bewusst auf partizipative Zusammenarbeit, um auch inhaltlich junge Perspektiven zu integrieren. Recherchen zeigten, dass in den letzten Tagen erneut Debatten um KI-Ethik, digitale Teilhabe und Jugendschutz entbrannten: Themen wie Social-Media-Desinformation, politische Manipulation und Medienbildung markieren weiterhin gesellschaftliche Baustellen. Digitale Humanismuspreise bekommen in diesem Kontext noch mehr Gewicht, weil sie Initiative, partizipative Forschung und Integration von Schutzmechanismen in die „normale“ Mediennutzung stärken. Überdies beschäftigen sich viele Medien aktuell mit der Frage, wie Gegenrede und Medienkompetenz zur Resilienz beitragen können. Zahlreiche Stimmen fordern daher, Projekte wie diese auszubauen und international zu vernetzen – ein Schritt, der die Bedeutung solcher Auszeichnungen noch verstärkt.

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