Wenn man Marco Fuchs, den Chef von OHB, einen Moment zuhört, klingt es fast wie bei jemandem, der morgens im Sonnenaufgang im wilden Westen nach Gold schürft. 'Da entsteht gerade ein Schmelztiegel aus relevanten Entwicklungen', meint er sinngemäß im Gespräch mit Focus. Die Beobachtung aus dem All, sei es für Klimadaten oder den Schutz der Erde, ist längst nicht mehr bloß eine Spielwiese für Wissenschaftler. Heutzutage wächst der Einfluss militärischer und sicherheitspolitischer Anforderungen, die das Geschäft attraktiver machen. Die Hoffnung, die USA würden alle unsere Satellitenprobleme lösen, wankt merklich. Es tut sich was – private Investoren springen auf, und auch Europa besinnt sich zunehmend auf eigene Raumfahrtstärke.
Auffällig ist aus Fuchs’ Sicht, dass selbst Giganten wie SpaceX durch ihren geplanten Börsengang einen Sog auf die ganze Branche ausüben, wie ein Magnet auf umherliegende Eisenspäne. 'SpaceX ist unbestritten ein Vorreiter und setzt seit Jahren Standards', so Fuchs, der für sein eigenes Unternehmen große Pläne schmiedet. 'OHB will in Europa zur absoluten Nummer Eins heranwachsen, breit aufgestellt in Satelliten-Technik, Raketenbau, Bodensystemen und allem dazwischen.' Kein Wunder also, dass der Unternehmenswert von OHB jüngst über die Zehn-Milliarden-Euro-Marke geklettert ist. Übrigens: Zweifel gibt es trotzdem, ob Europa in diesem Tempo mithalten kann – aber der „Goldrausch“ ist erst ganz am Anfang. Und wer weiß? Vielleicht wird Raumfahrt bald so normal wie E-Auto fahren.
Marco Fuchs beschreibt die aktuelle Phase der Raumfahrtindustrie als eine beispiellose Chance. Er sieht sowohl technologisch als auch wirtschaftlich wichtige Entwicklungen zusammenfließen: Von der Erdbeobachtung in Sachen Klima und Sicherheit über militärische Anwendungen bis hin zu privaten Investoren und einem stärker werdenden europäischen Engagement. Wichtige zusätzliche Aspekte aus aktuellen Recherchen: Die europäische Raumfahrt steht unter Druck, die amerikanische Dominanz – gerade durch SpaceX und deren innovative Ansätze (wie wiederverwendbare Raketen) – einzuholen, was in Brüssel und Paris die Diskussionen über Fördermittel und einheitliche Strategien befeuert. Große Investitionen, etwa das geplante europäische Satellitennetz IRIS² zum unabhängigen Internetzugang, signalisieren wachsenden Ehrgeiz. Gleichzeitig führen geopolitische Spannungen, etwa durch wachsende Unsicherheiten gegenüber Russland und China, zu einer Neuausrichtung der Raumfahrtpolitik sowie zu höheren Investitionen in Sicherheits- und Verteidigungskapazitäten. Auch kleine Start-ups aus Deutschland und Frankreich bringen Bewegung in den Markt, fördern Innovation und verkürzen Reaktionszeiten auf neue Herausforderungen.