Die Zuckerbranche schwimmt derzeit in ihre eigenen Turbulenzen: Wie CEO Lars Gorissen betont, sind zwei fette Ernten zwar grundsätzlich ein Grund zur Freude – aber wenn alle zu viel haben, bringt das nur Probleme. Die EU ist überversorgt, ein Rückgang beim Zuckerkonsum verschärft das, und auf dem Weltmarkt sieht es keinen Deut besser aus: Hohe Produktionsmengen drücken die Preise weiter nach unten. Nordzucker kommt bei alledem auf eine Zuckerproduktion von etwa 2,8 Millionen Tonnen aus Rüben, etwas weniger als im letzten Jahr, aber noch auf hohem Level. Auch die australische Tochter Mackay Sugar arbeitet solide – rund 0,6 Mio. Tonnen aus Zuckerrohr. Trotzdem: Der Konzernumsatz sackt auf 2,34 Milliarden Euro; das EBIT springt tief ins Minus (minus 226 Mio. Euro), belastet durch europäische Sondereinflüsse. Vorstand und Aufsichtsrat ziehen Konsequenzen und schlagen vor, auf eine Dividende für 2025/26 zu verzichten.
Mit dem Preisverfall – der schon im Herbst 2024 begann – konnten selbst die schnellen Exzellenz- und Sparmaßnahmen nicht voll gegenhalten. CFO Alexander Bott zeigt aber auf: Die Hebel sind gezogen, die Effekte werden (allerdings verzögert) nach und nach sichtbar. Besonders der europäische Zuckerbereich brockt das Negativergebnis ein, während der australische Zweig erstaunlich stabil bleibt. Das Eigenkapital steht auf festem Grund (55%).
Das Gegenmittel? Noch konsequenter an der Kostenstruktur schrauben. Ein neues, flexibles Rübenpreismodell in Deutschland soll den Anbau zukunftsfähig machen; strukturelle Anpassungen in anderen Ländern laufen schon. Parallel schiebt Nordzucker Dekarbonisierungsprojekte an – so fließt viel Geld etwa in Technik, um Zucker energieeffizienter herzustellen und dem Ziel CO2-Neutralität näherzukommen. Die Strategie „Fields for Growth“ setzt auf Diversifikation und Wachstum außerhalb der EU sowie den Einstieg ins Geschäft mit alternativen Proteinen und „Smart Ingredients“. Perspektivisch geht man davon aus: Weniger Angebotsmenge und die Kostenschraube werden irgendwann die Balance zurückbringen – vielleicht schon 2027/28. Bis dahin: Zähne zusammenbeißen, Kurs halten, hoffen.
Nordzucker steht mit dem Bilanzjahr 2025/26 vor einer Härteprobe, die der europäischen Zuckerbranche allgemein zu schaffen macht: satte Ernten, stagnierender Verbrauch, fallende Preise und internationale Konkurrenz setzen den Konzern schwer unter Druck. Der Umsatzrückgang und das starke Minus beim operativen Ergebnis unterstreichen die Problemlage. Dennoch hat Nordzucker mit strukturellen Kürzungen, einem neuen Preismodell, gezielten Investitionen in Dekarbonisierung und ambitionierter Diversifikation bereits frühzeitig die Weichen gestellt – auch wenn die Wirkung der Maßnahmen zeitverzögert eintritt. Im aktuellen Branchenumfeld zeigt sich, dass nicht nur Nordzucker, sondern auch Wettbewerber wie Südzucker oder Tereos teils mit ähnlichen Herausforderungen und Preisdruck kämpfen, während auf Brüsseler Ebene Forderungen nach Marktstabilisierung an lauter werden. Nachhaltigkeit, Innovation und Flexibilisierung werden für die kommenden Jahre entscheidend. Frische Branchenanalysen zeigen, dass der globale Zuckermarkt weiterhin enorm von Wetterextremen, politischer Regulierung und globaler Handelsdynamik beeinflusst bleibt. Gerade im Zuge des „Green Deal“ der EU und der weltweiten Debatte um Zuckerkonsum und Alternativen wächst der Druck für Traditionsunternehmen wie Nordzucker, sich neu zu erfinden und nachhaltiger zu wirtschaften. Dazu kommt eine immer stärkere Kundenorientierung – Lieferketten werden nachhaltiger und transparenter organisiert, Konsumenten fordern Bioqualität und CO2-Fußabdruck-Reduktion. Die nächsten Jahre werden also entscheiden, ob die angekurbelte Transformation gelingt und Nordzucker das Ruder nachhaltig herumreißt.