Manchmal sind es die scheinbar aussichtslosen Vorstöße einzelner, die den Finger genau in die Wunde legen. So geschehen im Fall von Hubert Thurnhofer aus Langenwang, der sich weigerte, die vorgeschriebenen Abgaben an die Wirtschaftskammer zu bezahlen. Sein Protest wurde zwar vom Bezirksgericht Mürzzuschlag als "unzureichend begründet" abgetan, doch die eigentliche Debatte war damit keineswegs erledigt.
Denn der aktuelle Bericht des Rechnungshofs greift gleich mehrere zentrale Kritikpunkte wieder auf und stellt der WKO kein gutes Zeugnis aus: Funktionärinnen und Funktionäre, die sich aus Mitteln der Kammer bedienen wie aus einem Selbstbedienungsladen. Laut Gesetz sollen das eigentlich unbezahlte Ehrenämter sein – trotzdem flossen allein im vergangenen Jahr über 25 Millionen Euro an sogenannte Funktionsentschädigungen. Noch pikanter: Wer wie viel bekommt, bestimmen die Präsidien quasi selbst. Ein Schelm, wer dabei an Eigeninteressen denkt!
Im Bericht wimmelt es vor weiteren Baustellen. Da wäre zum Beispiel der aufgeblähte Personalapparat – rund 4700 Menschen arbeiten in der Kammerstruktur, aber ein zentrales Personalcontrolling? Fehlanzeige. Wie sich der Personalstand entwickelt oder welche Ausgaben künftig realistisch wären? Dazu gibt es laut Bericht keine klar definierten Leitlinien. Und die Gehälter? Wer nach oben fällt, landet weich: Die Generalsekretärs-Posten sind besser dotiert als in Bundesministerien.
Abseits der nüchternen Zahlen bleibt ein ziemlich bitterer Nachgeschmack. Wer kontrolliert eigentlich jene, die angeblich "im Sinne der Mitglieder" handeln? Das Grundproblem scheint systemisch – zu viele Altlasten, zu wenig Mut zur echten Veränderung. Bleibt die Hoffnung, dass die Kritik nicht einfach im Aktenschrank verschwindet.
Der Bericht des Rechnungshofs kritisiert die Wirtschafts¬kammer Österreich (WKO) scharf: Es gibt überbezahlte Führungskräfte trotz eigentlich bestehender Ehrenamtspflicht, eine intransparente Struktur mit vielen Doppelrollen und gravierende Defizite bei der Aufsicht und Steuerung. Der jährliche Personalaufwand liegt bei mehr als einer halben Milliarde Euro, jedoch fehlt es an einheitlicher Kontrolle und strategischer Planung, insbesondere im Personalbereich. Die Höhe und Eigenfestlegung der Funktionsentschädigungen für Führungsposten widersprechen nicht nur dem gesetzlichen Ehrenamtsbestimmungs¬anspruch, sondern erzeugen auch einen strukturellen Interessenkonflikt – der öffentliche Druck auf grundlegende Reformen wächst.
(Ergänzung aus Recherche:) In aktuellen Medien wurde zudem berichtet, dass die WKO infolge der massiven Rechnungshof-Kritik jetzt umfangreiche interne Prüfungen angekündigt hat; einzelne Landesorganisationen prüfen, ob ihre Vergütungsmodelle und Entscheidungsmechanismen reformiert werden müssen. Politisch rückt die Debatte um die Pflichtmitgliedschaft in den Fokus, da Stimmen aus der Politik fordern, die Strukturen an ein modernes Verbandswesen anzupassen und mehr Mitspracherechte der Mitglieder zu verankern. In der Öffentlichkeit wird die Glaubwürdigkeit der WKO zunehmend infrage gestellt – Betroffene erwarten mehr Transparenz und ein echtes Sparbewusstsein innerhalb der Organisation.