Reinhold Würth sieht schwarze Wolken über der FDP – ein Abgesang?

Reinhold Würth, der legendäre Schraubenkönig und Ex-FDP-Anhänger, sieht für die Liberalen in Deutschland kaum noch eine Zukunft – weder in Stuttgart noch bundesweit.

heute 16:42 Uhr | 4 mal gelesen

Da äußert sich also Reinhold Würth, wie er es gewohnt ist: direkt, schnörkellos und mit einer Brise Altersweisheit. 'Ich glaube, die FDP ist bald Geschichte, sowohl auf Landes- als auch Bundesebene', lässt er im Gespräch mit dem Focus durchblicken. Würth, inzwischen 90 und mit einiger Lebenserfahrung gesegnet, beschreibt sich selbst als jemanden, der wechselweise mal so, mal so gewählt hat. Der FDP aber jetzt die Stimme zu geben, sei riskant – die könne glatt verloren gehen. Fast lapidar nimmt er das mögliche Ausscheiden der FDP aus dem Stuttgarter Landtag hin: 'Dann ist das eben so.' Während er auf Landesebene den CDU-Mann Manuel Hagel als Ministerpräsidenten favorisiert, malt er für die Regierungsbildung in Baden-Württemberg eine Zukunft in Schwarz-Grün an die Wand – einen Machtwechsel, den er sogar für überfällig hält. Was die AfD angeht, bleibt Würth bei seiner Sache: Bloß nicht wählen, ruft er seinen gut 86.000 Mitarbeitern zu; zum Glück, sagt er, sei die Partei in Baden-Württemberg ohnehin kaum relevant. Was ihn beschäftigt, ist die Frage, wie man das Erstarken der AfD aufhalten kann. Da taucht bei ihm ein Gedanke auf, der nicht neu klingt, aber bitter nötig scheint: Die CDU brauche endlich einen klugen, demütigen Reformkurs. Weder vom Himmel regnendes Geld noch abgehobene Reden, sondern Ehrlichkeit und Reformwillen – damit, so hofft Würth, ließe sich das politische Fahrwasser wieder beruhigen.

Würth dürfte mit seinem klaren Statement eine alte Debatte neu befeuern: Wo steht eigentlich die FDP noch, mittendrin oder schon am Rand? In Zeiten, in denen politische Zugehörigkeiten mehr denn je infrage gestellt werden, klingen seine Worte weniger wie eine bloße Meinung, sondern fast wie ein Abgesang. Im aktuellen politischen Klima – geprägt von Unsicherheit, sinkendem Vertrauen in die Parteien und dem Aufstieg der AfD – sind solche Aussagen Wasser auf die Mühlen derer, die generelle Reformen fordern. Wie etwa die Süddeutsche berichtet, kämpft die FDP bundesweit ums Überleben, und auch die letzten Umfragen deuten eher bergab als bergauf. Laut taz und Zeit geht die Diskussion sogar noch weiter: Die FDP ringt nicht nur mit der Fünf-Prozent-Hürde, sondern auch um Profil und Relevanz in der Ampel-Koalition. Politiker wie Würth gelten dabei als Seismografen für die wirtschaftsnahe Wählerschaft – Stimmen, die den Puls der Zeit vielleicht besser fühlen als klassische Parteisoldaten. Nicht zu unterschätzen bleibt auch Würths Warnung vor der AfD und dem gezielten Aufruf an Wirtschaft und Belegschaften, dieser nicht zu folgen. In den letzten Tagen berichten die Medien zudem von heftigen verbalen Auseinandersetzungen innerhalb der FDP, einem wankenden Selbstbild – und steigenden Austrittszahlen. Zugleich stellt sich die Frage, ob angesichts des aktuellen Reformstaus und der Polarisierung überhaupt noch Raum bleibt für eine selbstbewusste, liberale Mitte.

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