Mal ehrlich: Heute fällt es gar nicht mehr unbedingt auf, aber inzwischen stammt etwa jede fünfte Zigarette, die hierzulande geraucht wird, nicht aus offiziell besteuerten Quellen. Darauf weisen die neuen Zahlen des BVTE hin. Jan Mücke, Geschäftsführer des Verbands, spart dabei nicht mit deutlichen Worten: „Das sollte der Politik wirklich zu denken geben.“
Die Untersuchung, für die über 160.000 gebrauchte Zigarettenpackungen im Jahr 2025 unter die Lupe genommen wurden, offenbart vor allem im Osten Deutschlands weiterhin alarmierende Quoten: Über 40 Prozent der Schachteln tragen kein deutsches Steuerzeichen. Im Westen stieg der Anteil im letzten Jahr ebenfalls, wenngleich auf knapp unter 16 Prozent. So stabil die Unterschiede zwischen Ost und West auch sein mögen – der übergreifende Anstieg ist kaum zu ignorieren.
Der BVTE richtet vor allem eine scharfe Kritik an jene politischen Kreise, die nun lautstark nach höheren Tabaksteuern rufen. Dort schwingt das Damoklesschwert ehemaliger Fehler mit: Zu Beginn der Nullerjahre hatte eine Serie kurzfristiger Steuererhöhungen das Gegenteil bewirkt – der Schwarzmarkt florierte, der Staat kassierte weniger Steuern und verzettelte sich, was damals schon absehbar war. Die aktuellen Warnungen verknüpfen sich mit der Mahnung, die Fehler vergangener Regierungen nicht zu wiederholen.
Das Pikanteste daran: Die steigende Anzahl an Schmuggelzigaretten kommt nicht nur dem Staat teuer zu stehen, sondern auch Verbraucherschutz und Jugendschutz sind schwerer durchzusetzen, wenn immer mehr Menschen zur illegalen Quelle wechseln. Kontrollen greifen nicht, der Markt läuft aus dem Ruder. Am Ende – so sieht es der BVTE – verliert alle Welt: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft.
Bemerkenswert an der Methodik: Seit 2004 wird Monat für Monat, quer verteilt durch Deutschland, systematisch in Müll und auf der Straße nach Zigarettenschachteln gesucht. Jeder Monat bringt so tausende Proben – insgesamt satte 161.000 Packungen pro Jahr. Ein aufwendiges, aber offenbar recht treffendes Bild des Trends, der sich ja nun deutlich zeigt.
Im Kern geht es um eine besorgniserregende Dynamik: Die Zahlen für 2025 zeigen, dass der Trend zu unversteuerten Zigaretten ungebrochen ist, was mehrere Ursachen hat – von Preisflucht ins Ausland, erhöhter Attraktivität des Schwarzmarkts bis zu Lücken im Kontrollsystem.
Kritisch bringt der BVTE zur Sprache, dass allzu forsche Steuererhöhungen – wie schon in den frühen 2000ern – gegen ihren eigentlichen Zweck wirken: Der Staat verliert Einnahmen, Schwarzmarkt und illegale Märkte feiern ein Comeback.
Neuere Berichte (u.a. FAZ, Spiegel, Zeit) betonen, dass der illegale Zigarettenhandel europaweit zunimmt, teils getrieben durch die Energiekrise und gestiegene Lebenshaltungskosten. Die Zollbehörden sehen sich seit Monaten mit wachsenden Sicherstellungen konfrontiert. Parallel gibt es auf EU-Ebene Überlegungen, effektiver gegen Schmuggel vorzugehen und gemeinsame Daten auszutauschen. Die Tabakbranche fordert, Steuererhöhungen klüger zu gestalten und flankierende Maßnahmen für grenznahe Regionen auszubauen. Gesundheitsexperten hingegen mahnen: Zwar wirkt der Schwarzmarkt als erheblicher Störfaktor, trotzdem gilt Tabaksteuer weiter als ein zentrales Mittel zur Rauchprävention. Es braucht also einen Balanceakt zwischen fiskalischem Kalkül, Sozialpolitik und Kriminalitätsbekämpfung.