Gefragt, wem er im Hinblick auf angebliche Gespräche zwischen den USA und Iran mehr Glauben schenkt, antwortete Röttgen bei RTL und ntv spürbar zurückhaltend: 'Ehrlich gesagt wirkt die Darstellung der iranischen Seite momentan ein klein wenig überzeugender.' Während Trump von 'vielversprechenden Verhandlungen' spricht, widerspricht Teheran energisch. Aus Sicht Röttgens offenbart das die Schwächen im amerikanischen Vorgehen – Drohungen, anschließend zurückgenommen mit Aussagen, die von Iran publik zurückgewiesen werden. 'Da verläuft sich Trump im eigenen Widerspruch. Das wirkt alles andere als strategisch.' Er betont auch, dass es offenbar keinen durchdachten US-Fahrplan für die heiß umkämpfte Meerenge von Hormus gibt. 'Dieses ziellose, sprunghafte Agieren löst Verunsicherung und Turbulenzen an den Finanzmärkten aus.'
Röttgen sieht das Ende des Konflikts, solange das iranische Regime überlebt, kritisch – mehr: nicht im europäischen oder amerikanischen Interesse. 'Hat man einen Konflikt angestoßen, kommt es darauf an, die angestrebten Ziele zu erreichen.' Das Regime habe gezeigt, dass die Kontrolle über das Nadelöhr Hormus nicht einfach so genommen werden kann – selbst nicht von Washington. Sollte das Regime am Ende noch am Verhandlungstisch sitzen und Uran anreichern, könnte es gestärkt aus dem Ganzen hervorgehen, warnt Röttgen.
'Das wäre eine politische Ohrfeige für die USA und würde das iranische Regime noch festigen.' Deshalb sieht Röttgen die Pflicht bei den USA, einen solchen Ausgang zu verhindern. 'Unser eigenes Interesse, auch das der Europäer und der arabischen Golfanrainer, ist klar: Ein Fortbestand des Regimes macht uns auf Dauer erpressbar. Ein Scheitern der USA wäre ein riskanter Präzedenzfall.'
Röttgen, einer der profiliertesten außenpolitischen Köpfe der CDU, erhebt scharfe Vorwürfe gegen Donald Trump und dessen Handhabung des Iran-Konflikts. In den letzten Tagen haben sich die Signale aus Teheran und Washington diametral unterschieden: Trump spricht von konstruktiven Gesprächen, Iran dementiert explizit – diese Unstimmigkeit nutzt Röttgen, um die Glaubwürdigkeit des US-Präsidenten offen zu hinterfragen. Nachdem die Spannungen am Persischen Golf zuletzt deutlich zugenommen haben – mit Bedrohung von globalen Handelsströmen und nervösen Märkten –, mehren sich in internationalen Medien die Stimmen, die ein strategisches Vakuum bemängeln. Röttgens Hauptsorge bleibt, dass ein überlebendes, gestärktes Regime in Teheran zu einer dauerhaften geopolitischen Schwächung des Westens führen könnte. Laut aktuellen Analysen u.a. von 'Die Zeit' und der 'FAZ' (Stand Juni 2024) hat sich die politische Gemengelage weiter verschärft: Die USA haben erneut Truppenkontingente in die Region verlegt, während Iran mit neuen Atomprogrammen droht; die diplomatischen Kanäle bleiben weiter blockiert, wie auch ein Reuters-Bericht zur UN-Vollversammlung bestätigt.