Roland-Berger-Vorstand: Europa braucht eigene Finanzinfrastruktur als Schutz gegen US-Einfluss

Stefan Schaible, Chef von Roland Berger, warnt vor übermäßiger Abhängigkeit Europas vom US-dominierten Finanzsystem und plädiert für weitreichende Reformen – von europäischen Staatsanleihen bis zu einem separaten Zahlungssystem.

heute 13:41 Uhr | 2 mal gelesen

Eigentlich klingt es wie eine Szene aus einem Wirtschaftsthriller: Europa muss sich auf US-Druck und mögliche neue "Attacken" stärker einstellen – nicht nur mit zögerlichem Kopfnicken, sondern handfest. Stefan Schaible, Vorstandssprecher der Beratungsfirma Roland Berger, mahnte im Gespräch mit dem 'Spiegel': Die USA könnten ihren gewaltigen Hebel im globalen Zahlungsverkehr künftig sogar gegen Partner Europa ausspielen, wie sie es bereits mit Zöllen gezeigt haben. Der Euro könnte dabei das Bollwerk sein – gewissermaßen das Sicherheitsnetz. Das braucht aber mehr als Lippenbekenntnisse. "Wir brauchen echte Eurobonds, besser heute als morgen", sagt Schaible. Und ja, im Zweifel eben mit nur jenen Ländern, die sich keinen verschwenderischen Haushalt leisten. Nur mit einem stärkeren Euro, einer gestärkten Währungsunion und vielleicht noch einer Prise Mut – z.B. eigene Rohstoffverträge vorzugsweise in Euro, eigene Ratingagenturen, der digitale Euro – kann Europa unabhängig auftreten. Spannende Idee am Rande: Ein Zahlungssystem, das unabhängig von Swift funktioniert. Denn auch wenn Swift formal in Belgien sitzt, ist die US-Notenbank maßgeblich beteiligt – und da bekommt so manches Finanzhaus ein unsichtbares Damoklesschwert zu spüren. Schaible ist optimistisch, dass Europa politisch den Mut für diesen Schritt aufbringt. Die große Überraschung bleibt da wohl eher aus – aber das macht es nicht weniger dringlich.

Stefan Schaible von Roland Berger betont, wie wichtig eine strategische Eigenständigkeit Europas im internationalen Finanzsystem inzwischen geworden ist: Die Gefahr, durch US-Sanktionspolitik oder andere politische Hebel vom Zahlungsverkehr abgeschnitten zu werden, steigt; SWIFT könne dabei zur Waffe werden. Neben einem eigenständigen europäischen Clearing-System sieht er Eurobonds und einen digitalen Euro als Kernbausteine – flankiert von eigenen Ratingagenturen sowie einer vermehrten Abwicklung von Rohstoffen in Euro, um die Währung global zu stärken. Neuere Recherchen zeigen, dass Diskussionen um alternative Zahlungssysteme, wirtschaftliche Souveränität und den digitalen Euro in Brüssel und bei Zentralbanken an Fahrt aufnehmen; laut Berichten der letzten 48 Stunden gibt es Entwürfe für ein paneuropäisches Zahlungssystem, aber auch Skepsis bei einzelnen Nationalbanken hinsichtlich gemeinsamer Anleihen und Standards (Quelle: Zusammenfassungen unten). Außerdem verdeutlichen geopolitische Entwicklungen, insbesondere der technologische Rivalenkampf mit China, dass Europa unter Zugzwang steht, eigene Infrastrukturen zu etablieren, um auf globale Krisen oder politische Druckmittel vorbereitet zu sein.

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