Im Zuge der steigenden Zahl hybrider Angriffsmuster Russlands auf Europas Demokratien warnt das Bundesamt für Verfassungsschutz explizit vor Versuchen, auch die kommenden Landtagswahlen zu beeinflussen – das geht aus einer aktuellen Einschätzung hervor, die der 'taz' (Dienstagausgabe) vorliegt. Dabei, so das Amt, nehme man das Risiko, dass ausländische Akteure gezielt Desinformation streuen oder gar Wahlprozesse manipulieren, 'äußerst ernst'.
Tatsächlich gehören ausländisch gesteuerte Einflussnahmen und bewusste Falschinformationen schon seit Jahren quasi zum Repertoire moderner Wahlbeeinflussung – im Fokus dabei laut Behörden immer wieder Akteure aus Russland. Deren Bestreben, Personen und Parteien zu stärken, die russlandfreundliche Narrative vertreten, sei laut Verfassungsschutz weiterhin eine der Hauptbedrohungen für die politische Stabilität Deutschlands. Einzelne Parteien oder Persönlichkeiten nennt das Amt jedoch nicht.
Daneben werde – so das Papier – durchaus auch versucht, gegenteilige Stimmen gezielt zu diskreditieren, insbesondere jene, die sich für die Ukraine stark machen. Ein weiteres Ziel: das Vertrauen in demokratische Institutionen untergraben, etwa im Zusammenhang mit Innenpolitik oder Migrationsfragen. Im schlimmsten Fall könnten so sogar Zweifel am Ablauf oder den Ergebnissen der Wahlen selbst gesät werden.
Zum Start der diesjährigen Landtagswahlen steht Baden-Württemberg am kommenden Sonntag im Fokus, danach folgen Abstimmungen in Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Schon im vergangenen Jahr hatten Sicherheitsbehörden Hinweise auf gezielte russische Operationen rund um die Bundestagswahl entdeckt – hier insbesondere die sogenannte 'Storm-1516'-Kampagne.
Die Warnungen des Bundesamts für Verfassungsschutz spiegeln eine kontinuierliche Sorge wider: Russland setzt offensichtlich alles daran, die politische Landschaft in Deutschland – besonders bei Wahlen – durch gezielte Desinformation, Social-Media-Kampagnen oder Cyberangriffe zu beeinflussen. Jüngste Online-Recherchen und Medienberichte belegen, dass hybride Formen der Einflussnahme – von Manipulation öffentlicher Meinung bis zur gezielten Schwächung missliebiger Kandidaten – den Behörden große Sorgen bereiten. Neben der Unterstützung russlandfreundlicher politischer Akteure werden auch Versuche befürchtet, das Vertrauen der Bevölkerung in demokratische Prozesse grundsätzlich zu untergraben; die Erfahrungen aus der Bundestagswahl 2023 und laufende Fake-News-Kampagnen auf Plattformen wie Telegram zeigen, dass diese Bedrohung alles andere als theoretisch ist. Experten raten daher nicht nur zu erhöhter Wachsamkeit bei den Wahlen, sondern auch zur Förderung der Medienkompetenz in der Bevölkerung – Fake News sind oft nur einen Klick entfernt und manchmal geschickter gemacht, als man denkt.