Frische Zahlen gab es jüngst bei der Jahrestagung des VdZ, die vom 3. bis 6. Juni in Basel stattfand. Über 200 Spezialist:innen aus der ganzen Welt – darunter Zoo-Direktor:innen, Forschende, Tiermediziner:innen und Expert:innen für Artenschutz – tauschten Ideen aus, wie das Überleben bedrohter Tierarten besser gesichert werden kann. Interessanterweise war das Hauptaugenmerk des Treffens auf die Verknüpfung von wilden Tierbeständen und Populationen in Zoos gerichtet. Man findet sich nicht mehr damit ab, dass beides getrennte Welten sind. Höhepunkt war das Forum für Zoo- und Wildtierschutz am 4. Juni, wo Branchengrößen wie Razan Khalifa Al Mubarak (IUCN-Präsidentin), Katja Christ (Vizepräsidentin des Schweizer Nationalrats) und Bruno Mainini (CITES-Behörde Schweiz) das starke Netzwerk hervorhoben.
Der Zusammenschluss zwischen Zoos und Organisationen wie der IUCN trägt Früchte: Mitglieder sind aktiv an Entscheidungsprozessen beteiligt und liefern wichtiges Fachwissen für den internationalen Artenschutz. „Viele VdZ-Mitglieder engagieren sich direkt im IUCN-Netzwerk und ihr Know-how fließt in die Arbeit zur Artenrettung ein“, betonte Al Mubarak. Gerade weil das globale Artensterben weiter voranschreitet, werden diese Partnerschaften immer wichtiger.
Die Resultate dieses Zusammenspiels lassen sich tatsächlich sehen. Laut der Roten Liste der IUCN konnten sich bis 2022 dank engagierter Zoos über 200 Artenbestandssituationen erholen. Neben bekannten Tieren – Przewalski-Pferd, Iberischer Luchs, Goldkopflöwenäffchen, Waldrapp oder Lear-Ara – konnten auch weniger „prominente“ Arten profitieren, etwa die Moorea-Baumschnecke.
Die Rolle der Zoos ist dabei vielschichtig – in der Schweiz etwa klären sie jährlich Millionen Besucher:innen über den Ernst der Lage auf. Gerade Kindern geben solche Begegnungen einen Anstoß, später Verantwortung zu übernehmen.
Ein entscheidender Wandel im Artenschutz ist dem „One Plan Approach“ zu verdanken: Wildlebende Arten und Zootiere werden seit Kurzem ganzheitlich als eine Population gemanagt; Zoos sind so kein Randphänomen mehr, sondern Teil des strategischen Zentrums. Dr. Dag Encke (VdZ-Präsident) erklärt: „Hier geht es nicht mehr nur ums Erhalten in Freiland und Gehege nebeneinander, sondern um vernetzte Zucht, Monitoring und wissenschaftlich fundiertes Management. Das ist Artenschutz im 21. Jahrhundert – und manchmal sieht er ganz anders aus, als viele denken.“
Und wie sieht diese Praxis konkret aus? Im Zoo Basel werden drei Tierarten gehalten, bei denen der neue Ansatz –, beispielsweise bei der Boulengers Flachschildkröte, umgesetzt wird. Weil die Population dieser Schildkröten in Südafrika fast verschwunden ist, setzen die Zooverbände auf gezielte Entnahme zur Zucht und perspektivisch Wiederauswilderung. Ohne solche Maßnahmen ginge wohl endgültig das Licht aus. Ein Lichtblick ist dagegen die Rio-Pescado-Harlekinkröte: Sie wurde 2023 mit Erfolg nachgezüchtet, der Zoo Basel zählt bereits über 500 Jungtiere – Hoffnungsschimmer für eine Zukunft, in der wieder mehr Tiere in ihrer Heimat leben könnten.
Zoos sind längst mehr als Erholungs-Oasen mit Tiergehegen. Sie übernehmen heute international aktive Rollen im Naturschutz, in dem sie Wissen bündeln, Forschung betreiben und durch den „One Plan Approach“ bedrohte Arten nicht nur hinter Glasscheiben bewahren, sondern aktiv zurück in die Wildbahn bringen. Neben klassischen Aufgaben werden sie zunehmend zu „Scharnierstellen“, an denen Naturschutz, Ausbildung und Wissenschaft zusammenkommen. Laut aktuellen Medienberichten – zum Beispiel von der Süddeutschen Zeitung – diskutieren Tierparks mittlerweile auch kritisch ihre Auswirkungen auf die Haltung ausgewählter Arten, erforschen die Wirkung von innovativen Auswilderungs-Projekten und suchen gezielter Allianzen mit Behörden und internationalen Organisationen (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Auf Krautreporter wurde jüngst berichtet, dass einige Projekte, inklusive Auswilderungsinitiativen europäischer Wölfe und Luchse, inzwischen stark aus Spendengeldern und Patenschaften getragen werden – und dass Zoos sich in politische Debatten über nachhaltige Schutzkonzepte verstärkt einbringen (Quelle: Krautreporter). Zeit.de hebt zudem die Bedeutung wissenschaftlicher Langzeitbeobachtungen hervor, die manche Zoos ermöglichen: Beispielsweise dienen Freisetzungsprojekte von Amphibien nicht nur der Artenerhaltung, sondern geben Wissenschaftler:innen neue Einblicke in Migration, Anpassung und Klimaresistenz (Quelle: Zeit Online). In den aktuellen Berichten wird allerdings auch kritisch hinterfragt, wo Grenzen der Haltung in Zoos liegen – etwa, wenn es um Großraubtiere geht, deren Wohlbefinden außerhalb riesiger natürlicher Lebensräume möglicherweise eingeschränkt bleibt.