Klimawandel, neue Pflanzenkrankheiten, und unruhige geopolitische Zeiten – das alles hat die Sicht auf unser Ernährungssystem verändert. Trotzdem bleiben politische Schlagabtäusche häufig an der Oberfläche und eilen von einer Krise zur nächsten. Energie, Datenleitungen, Autobahnen – das sind die üblichen Felder, auf denen Vorsorge diskutiert wird. Aber Sortenvielfalt? Saatgut? Meist ein Randthema. Stephanie Franck, Chefin des BDP, brachte das auf den Punkt: 'Sortenvielfalt auf dem Feld ist keine Feuerwehrmaßnahme, sondern braucht jahrelanges Vorausdenken.’ Jede innovative Sorte, die Bauern heute säen, basiert auf Entscheidungen, die schon vor mehr als einem Jahrzehnt getroffen wurden. Und ehrlich gesagt: Wer heute nicht investiert und unterstützt, steht morgen ziemlich alt da. Dietmar Brauer, ebenfalls aus dem Verband, betont die Herausforderung für Züchter: Entscheidungen, die man jetzt trifft, zeigen Wirkung erst Jahre später – in einer Welt, die gefühlt immer unsicherer wird, ist Planbarkeit ein knappes Gut. Hinzu kommt: Laut Dr. Philipp Schönbach von der Vereinigten Hagelversicherung sind Wetterschwankungen oft so unterschiedlich, dass alleine Anpassungen im Betrieb oft nicht reichen. Mehr Vielfalt bei Sorten und Arten hilft, Risiken abzufedern – aber völlige Sicherheit gibt es nicht. Deutlich wurde: Pflanzenzucht ist mehr als ein nettes Extra für Bastler, sondern Grundstein für Versorgungssicherheit. Was es braucht? Vor allem verlässliche politische Strukturen, Förderung von Forschung und ein langfristiges Innovationsklima. Ohne klaren Rahmen stehen die Züchter irgendwann buchstäblich auf dem Trockenen. Franck’s Fazit: 'Vielfalt ist nicht unfehlbar, aber sie ist unser systemrelevantes Sicherheitsnetz.' Der BDP selbst bündelt die Interessen von rund 130 Züchtungs- und Saatgutfirmen deutschlandweit und setzt sich aktiv für bessere rechtliche Bedingungen, Förderung neuer Methoden und die Weiterentwicklung des gesamten Bereichs ein. Ansprechpartnerin ist Ulrike Amoruso-Eickhorn, Kommunikationsleitung beim BDP, erreichbar in Bonn.
Pflanzenvielfalt und innovatives Saatgut sind keine Luxusgüter, sondern Grundvoraussetzung dafür, dass Landwirtschaft und Gesellschaft resilient gegenüber Klima, Schädlingen oder globalen Krisen bleiben. Der BDP sieht sich als Interessenbündel für Züchter und plädiert nachdrücklich für eine langfristige politische und finanzielle Unterstützung dieser Strategien – kurzfristiges Denken greift zu kurz. Neuere Studien, wie sie etwa vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung oder der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit veröffentlicht wurden, bestätigen den hohen Wert genetisch vielfältiger Saaten für die Anpassungsfähigkeit ganzer Ökosysteme. Die taz berichtet aktuell vom Vorstoß verschiedener Bauernverbände, kleinere Zuchtunternehmen stärker zu berücksichtigen und Marktmachtkonzentration entgegenzuwirken (Quelle: taz). In der Süddeutschen Zeitung wird auf die Bedeutung digitalisierter Sortenentwicklung hingewiesen und auf die Notwendigkeit, neue gentechnische Verfahren gesetzlich klar zu regeln (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Und laut Spiegel fordern Umweltverbände aktuell, bei den Agrarsubventionen stärker nach ökologischen Gesichtspunkten zu gewichten – Saatgutvielfalt gilt teils sogar als Kriterium für Nachhaltigkeit (Quelle: SPIEGEL).
Im Rückblick: Auch internationale Stimmen mahnen an, dass einseitige Sortennutzung, Monokulturen und der Rückgang alter Kulturarten das gesamte Ernährungssystem instabil machen. Die derzeit laufende „Farm-to-Fork“-Strategie der EU will unter anderem die Vielfalt bei Saatgut gezielter fördern und den Zugang kleinerer Betriebe zu widerstandsfähigen Sorten erleichtern. Insgesamt zeichnet sich ab: Wer heute auf Vielfalt im Feld setzt, denkt nicht nur an Wett, sondern auch an das Überleben der kommenden Generationen.