Witzig, wie Bestsellerlisten einen Diskurs manchmal befeuern – eigentlich hatten Jung und Diekmann wohl anderes im Sinn, als Ruhm zu ernten. Für sie ist der Erfolg ihres Buchs viel eher ein Zeichen: Die Diskussion darüber, wie Schule heute aussehen sollte, ist nun definitiv in der breiten Gesellschaft angekommen. Beide verzichten bewusst auf das übliche Bashing gegen Lehrkräfte und das Schulsystem. Im Gegenteil – Respekt gegenüber dem, was Schule bislang geleistet hat. Doch der Bruch zur Gegenwart ist nicht zu übersehen: Künstliche Intelligenz, digitale Tools und die veränderte Arbeitswelt stellen alles infrage. Das Buch rückt genau das ins Zentrum und fragt, wie Schule den Sprung in diese neue Realität meistern kann, die längst begonnen hat – nicht irgendwann, sondern jetzt sofort.
Die Hauptthese von Jung und Diekmann ist so simpel wie alarmierend: Bildung bleibt das Rückgrat für Wohlstand, Fortschritt und persönliches Glück. Aber, so die Autoren: Wenn Schulen nicht mehr so ausbilden, dass junge Menschen fit für diese moderne Welt sind, dann wackelt bald der ganze Laden. Mit ihrer Perspektive, ganz klar vom einzelnen Lernenden aus gedacht, fordern sie handfeste Antworten – kein Zaudern mehr. Daniel Jung, bekannt wie ein bunter Hund in der deutschen Bildungslandschaft, bringt seine Erfahrung aus zahllosen digitalen Mathe-Tutorials ein. Marcus Diekmann reflektiert aus Unternehmersicht, wie sich Jobprofile und Gesellschaft durch Digitalisierung wandeln. Gemeinsam zeigen sie – manchmal fast schmeichelnd, dann aber wieder sehr klar – warum man Schule nicht bloß stur verwalten, sondern mutig erneuern sollte.
Sie setzen sich für echte Veränderungen ein: weg von starren Notensystemen, hin zu individueller Förderung; Lehrkräfte als Coaches, die Talente entdecken und Schüler stärken. Das alles klingt weniger nach Revolution – eher nach einer cleveren, optimistischen Roadmap für alle, die am Thema Bildung hängen: Lehrende, Eltern, Unternehmen, das ganze soziale Gefüge. Und tatsächlich: Die Resonanz ist enorm. Schulen, Pädagog:innen, auch viele engagierte Eltern melden sich seit Erscheinen. Was alle suchen: Orientierung, praxistaugliche Ideen und die Gewissheit, dass man nicht nur diskutiert, sondern gemeinsam voranschreitet. Das eigentliche Ziel des Buchs? Keine lautstarke Forderung, sondern ein kluger, ermutigender Beitrag zur Bildungswende – und zwar ab heute, nicht irgendwann. Wen das neugierig macht: Das Buch gibt’s für 20 Euro überall im Handel oder im Netz, zum Beispiel beim StudyHelp Shop.
Jung und Diekmann treffen mit ihrem Appell zur Bildungsinnovation einen wunden Punkt in Deutschland. Angesichts von Lehrkräftemangel, digitaler Kluft und gesellschaftlicher Polarisierung stellt ihr SPIEGEL-Bestseller wichtige Fragen: Wo bleibt die Antwort der Schulen auf die Herausforderungen durch KI, soziale Medien und den veränderten Arbeitsmarkt? Was auffällt – neben beachtlicher Medienresonanz (u.a. in der SZ, der ZEIT und der FAZ): Viele aktuelle Diskussionen drehen sich um die schleppende Digitalisierung, die Nachwirkungen von Corona (Lernrückstände, psychische Belastungen) und die Forderung nach mehr individueller Förderung. So warnte etwa der Bildungsforscher Klaus Hurrelmann jüngst in der Süddeutschen, ohne deutlich mehr Innovationen und eine neue Haltung gegenüber digitalen Medien riskiere man das Abhängen einer ganzen Schülergeneration (SZ, Stand Juni 2024). In mehreren Medien wird zudem berichtet, dass die Kultusminister zwar Strukturdebatten führen, oft konkrete mutige Schritte aber scheuen – was sich wiederum im traurigen Bild internationaler Vergleichsstudien (PISA & Co.) widerspiegelt (FAZ, ZEIT). Parallel gibt es Initiativen, die sich für Lerncoaches, offene Unterrichtsformen und digitale Plattformen starkmachen – aber vielerorts fehlt es schlicht am Mut zum Durchbruch. Jung und Diekmann bündeln also einen Zeitgeist, der nach Taten, nicht nur Worten, verlangt.