Schulze richtet Wahlkampf in Sachsen-Anhalt konsequent auf sich aus

Nach dem überraschenden Wahlausgang in Baden-Württemberg plant Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU), in seinem eigenen Landtagswahlkampf neue Akzente zu setzen – der Fokus: Er selbst als personifizierter Hoffnungsträger.

heute 11:25 Uhr | 5 mal gelesen

„Diese ganzen Umfragen… naja, die kann man lesen, aber am Ende ist doch das entscheidend, was am Wahltag rauskommt“, meint Sven Schulze im Gespräch mit der 'Welt'. Die Grünen seien zum Teil weit abgeschlagen gewesen – trotzdem überraschte das Endergebnis. Für Schulze steht fest: Letztlich entscheidet immer mehr die Persönlichkeit des Kandidaten. Programme schrumpfen dagegen zur Nebensache. In Sachsen-Anhalt erwartet Schulze eine ähnliche Zuspitzung wie in Baden-Württemberg, nur mit anderen Farben: Hier werde sich alles auf den Schlagabtausch CDU gegen AfD konzentrieren. Seine Strategie ist klar: „Ich werde selbst das Gesicht dieses Wahlkampfs – und nicht auf anonyme Parteipolitik oder vage Trends setzen.“ Als amtierender Ministerpräsident könne er durch konkrete Arbeit zeigen, wie er sich die Zukunft vorstellt. Aussagen zu Umfragen oder launischen Zwischenständen? Die interessieren ihn nicht wirklich, das eigentliche Ziel ist einzig der entscheidende Tag. Die Bundespolitik werde zwar immer irgendwie mit hineinspielen, meint Schulze, aber „landesspezifische Fragen und die Stimmung vor Ort zählen mindestens genauso“. Bemerkenswert findet er am Rande, dass die Union bundesweit ein wenig stärker dasteht, sieht aber Nachholbedarf: „Da muss noch ordentlich was passieren.“ Für Sachsen-Anhalt peilt Schulze eine schärfere bürgerlich-konservative Linie an. Die CDU, betont er, müsse für landestypische Anliegen auch mal anecken, sich nicht scheuen, klare Kante zu zeigen – selbst, wenn das in Berlin nicht jedem gefällt. Manchmal braucht es laute Töne, um durch den Lärm zu dringen. Im Streit um den europäischen Zertifikatehandel nimmt Schulze so eine Position bewusst in Kauf: Die Wirtschaft gehe vor, auch wenn das bei SPD-Regierungsmitgliedern auf wenig Gegenliebe stößt. Wäre ja gelacht, wenn Sachsen-Anhalt nur mit angezogener Handbremse geführt würde.

Schulze setzt nach dem CDU-Dämpfer in Baden-Württemberg auf eine personalisierte Kampagne in Sachsen-Anhalt, bei der seine Rolle als Landesvater im Mittelpunkt steht. Der Konfrontationskurs gegenüber der AfD und die Abgrenzung gegenüber Bundespartei-Trends sollen die CDU-Basis mobilisieren; Umfragen verlieren für ihn an Bedeutung. Recherche in aktuellen Medien zeigt, dass der Fokus auf Persönlichkeiten bei Landtagswahlen derzeit bundesweit als zentrales Thema diskutiert wird: So betonen Experten etwa bei der Süddeutschen Zeitung, dass die Bindung der Wählerschaft an Parteien abnimmt und Kandidaten entscheidender werden (Quelle: [sueddeutsche.de](https://www.sueddeutsche.de)). Zudem berichten verschiedene Portale über einen wachsenden Konfrontationskurs der etablierten Parteien zur AfD in ostdeutschen Bundesländern und diskutieren die Auswirkungen von bundesweiten Dauerthemen auf die Stimmung vor Ort. Angesichts der steigenden Unsicherheit im politischen Klima wird die Fähigkeit, auch unbequeme Positionen zu vertreten, mehr denn je als Erfolgskriterium gesehen – so auch beim Thema Energiepolitik, wo regionale Interessen gezielt gegen Vorgaben aus Berlin und Brüssel gestellt werden.

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