Wer diesen Herbst und darüber hinaus im mitteldeutschen Konzertleben unterwegs sein will, wird schwerlich an den MDR-Ensembles vorbeikommen. Sage und schreibe 60 Veranstaltungen stehen am Spielzeitplan: 21 Mal hebt das MDR-Sinfonieorchester den Taktstock, der MDR-Rundfunkchor sucht bei 20 Gelegenheiten die Verbindung mit dem Publikum – darunter auch die viel gelobte 'Nachtgesang'-Reihe. Die Saison lässt sich nicht so leicht in Schubladen stecken: Mal klassisch, dann wieder voll waghalsiger Ideen oder neuartiger Vermittlungsmethoden, die wie sanfte musikalische Stolpersteine Symbole liefern. Besonders auffällig: Gemeinsam mit dem Publikum wird bei der Reihe 'Mittendrin' das Programm vorher gestaltet – partizipativ und durchaus bunt gemischt.
All dies geschieht unter dem Banner von Märchen, Mythen, Legenden. Das klingt erst mal groß, aber eines ist klar: Diese Stoffe inspirieren seit Jahrhunderten Komponisten querbeet durch Europa. In Mitteldeutschland sind diese Geschichten ohnehin allgegenwärtig – man muss nur die alten Buchenwälder aufsuchen oder alte Sagenhefte durchblättern. Musik aus '1001 Nacht', Strawinskys 'Feuervogel' und der legendäre 'Zauberlehrling' warten auf das Publikum, es gibt elfenhafte Familienkonzerte oder schaurige 'Halloween-im-Turm'-Erlebnisse mit dem MDR-Kinderchor. Kammermusik widmet sich sogar mal König Artus, mal der Hexennacht. Zum Jahresausklang erklingt das MDR-Silvesterkonzert diesmal in Suhl – fantasievoll interpretiert als '1001 Nacht' und von Yara Hoffmann moderiert.
Der festliche Saisonstart schließt sich nahtlos an das Ende des MDR-Musiksommers an – am 5. September 2026 wird in Suhl Musik aus Webers 'Freischütz' gespielt, natürlich auch im Hinblick auf sein großes Todesjahr. Am 13. September läutet Schumanns seltenes Oratorium 'Das Paradies und die Peri' im Leipziger Gewandhaus dann offiziell die Saison ein.
Nicht ganz ohne Wehmut: Die Spielzeit 2026/27 bedeutet auch den Abschied von Chefdirigent Dennis Russell Davies beim MDR-Sinfonieorchester. Noch einmal gibt er in sieben Konzerten seine stilistische Vision preis – mit besonderen Glanzlichtern zum Finale im Juni 2027, darunter Haydns letzte Sinfonie und Strauss’ 'Don Quixote'.
Mit frischen Formaten und neuen Gesichtern – man denke nur an das Kinderchorkonzert 'Beat' zusammen mit Beatboxer Daniel Mandolini oder das ungewöhnlich partizipative Konzert 'Soundtrack meines Lebens' – will man Brücken schlagen zwischen Tradition und jugendlicher Leichtigkeit. Viele Dirigent:innen treten erstmals ans MDR-Pult, darunter Delyana Lazarova oder Paolo Bortolameolli.
Übrigens: Familienfreundlichkeit bleibt ein Anliegen, das Familienticket gibt’s auch in dieser Saison – und Kinder zahlen schlappe 9 Euro.
Die Saison 2026/27 der MDR-Ensembles unter dem Motto 'Märchen, Mythen und Legenden' verspricht eine abwechslungsreiche Mischung aus klassischen Meisterwerken, Mitmachformaten und innovativen Genre-übergreifenden Konzerten – verwurzelt in regionaler Sagenwelt und europäischem Kulturfundus. Besonders beachtlich ist der Fokus auf Partizipation und neue Vermittlungsideen, etwa mit der anhaltend erfolgreichen 'Mittendrin'-Reihe, sowie die bewusste Einbindung verschiedener Generationen durch ein starkes Familienkonzert-Programm. Die Spielzeit ist zugleich eine Abschiedsreise für Dennis Russell Davies, der das MDR-Sinfonieorchester mit einem letzten musikalischen Bogen verlässt.
Recherchen aus aktuellen Quellen zeigen, dass der Trend zur thematischen Saisonkonzeption in vielen europäischen Orchestern und Chören zunehmend Anklang findet, beispielsweise mit Märchenthemen in Wien und osteuropäischen Mythen in Prag. Zugleich haben zahlreiche Kultureinrichtungen jüngst ihre Strategien zur Einbindung jüngerer Generationen und unkonventioneller Formate verstärkt – teils mit digitalen Mitmachaktionen oder Streams, die klassisches Musikpublikum und neue Zuhörer gleichermaßen ansprechen. Ein weiteres, in Berichten der letzten Tage betontes Thema ist die nachhaltige Sicherung lokaler Konzertkultur, wobei öffentliche Förderungen und verändertes Zuschauerverhalten durch gesellschaftliche Krisen (Pandemie-Nachwirkungen, politische Unsicherheiten) gleichermaßen thematisiert werden – häufig betont in jüngsten Beiträgen etwa der ZEIT, des Spiegels und von taz.