Momentan lastet fast die gesamte Finanzierung des deutschen Sozialsystems auf den Schultern der Arbeitnehmer – während an anderer Stelle enorme Vermögen kaum angetastet werden. Rock spricht Klartext: Er wolle die Verbeamtung künftig nur noch in wirklich hoheitlichen Bereichen wie Polizei oder Justiz sehen. "Warum sollen Beamte in ihren sozialen Absicherungen bevorzugt werden? Wie kann es sein, dass sie weder in die gesetzliche Rente noch in die Krankenversicherung einzahlen müssen, während normale Beschäftigte dafür aufkommen?" fragt er – auch ein wenig genervt, wie es scheint. Eine Lösung sieht er nur im großen Wurf: Alle Erwerbstätigen, darunter Beamte, Politiker und Reiche, sollten in die gleiche Versicherung einzahlen. Das würde übrigens nicht nur Löhne, sondern auch Erträge aus Kapitalanlagen und Mieten betreffen.
Es bleibt das Gefühl, dass im bestehenden System manche kaum oder gar nicht beitragen, aber meist auch die gesünderen Risiken genießen – eine klassische Schieflage. Rock fordert deshalb, endlich auch die stärksten Schultern (sprich: Multimillionäre, Immobilienbesitzende) mit ins Boot zu holen. "Dieses System, bei dem Arbeitnehmer den Hauptanteil tragen und Vermögende sich aussuchen können, ob sie helfen, ist einfach nicht mehr zeitgemäß", erklärt er – und zweifelt am gesellschaftlichen Gleichgewicht, solange diese Ungleichheit fortbesteht. Übrigens, die Vorstellung, dass einige Wohlhabende sogar noch Kürzungen des Sozialsystems fordern, während sie selbst nie davon betroffen wären – das lässt selbst ruhige Gemüter kurz aufkochen.
Die Rufe nach einer grundlegenden Reform der sozialen Sicherungssysteme werden lauter, und der Vorschlag des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes ist dabei vor allem eines: umstritten, aber nicht unrealistisch. Neueste Berichte zeigen, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung für eine Bürgerversicherung stetig wächst, insbesondere wenn Menschen erleben, wie ungleich die Belastungen verteilt sind. Während viele Politiker der Bürgerversicherung kritisch gegenüberstehen, mehren sich Stimmen aus der Zivilgesellschaft, die insbesondere die Sonderbehandlung von Beamten und Gutverdienern als ungerecht empfinden. Hinzu kommt, dass laut Analysen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung die Einführung einer allgemeinen Versicherung nicht nur zu mehr Generationengerechtigkeit führen könnte, sondern auch demographische Risiken besser abfedert, sofern Kapitalerträge und Immobilien stärker einbezogen werden. In Frankreich, Dänemark und den Niederlanden ist eine breite Einbindung aller Gesellschaftsschichten ins Sozialversicherungssystem übrigens längst Realität.