Schwere Vorwürfe der Linken: Empörung über Berliner Empfang des syrischen Interimspräsidenten

Unmittelbar vor dem Berlin-Auftritt von Syriens Interimspräsident Ahmed al-Scharaa rechnet die Linke heftig mit Kanzler Friedrich Merz ab. Die Einladung sei kein echtes diplomatisches Signal, sondern ein moralischer Fehltritt, erklärte Cansu Özdemir, außenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion.

heute 12:57 Uhr | 4 mal gelesen

Mit seltener Deutlichkeit protestierte die Linksfraktion gegen den Besuch: Ihrer Meinung nach biedert sich die derzeitige Bundesregierung an ein Regime an, das im Schatten von al-Qaida entstand – und immer noch jene Ideologien reproduziere, die auf Unterdrückung, Gewalt und religiös motiviertem Fanatismus basieren. Nach Ansicht von Özdemir betreibt Kanzler Merz eine Politik, die Islamisten salonfähig macht, während Minderheiten wie Christen, Kurden, Alawiten oder Drusen schwer darunter leiden und teils systematisch verfolgt würden. Außerdem kritisierte Özdemir die Bundesregierung, weil sie zuvor bereits einem Mann gestattet habe, für die Taliban offiziell die afghanische Botschaft zu vertreten. Nun mache Berlin erneut einen Schritt in Richtung Annäherung an problematische Kräfte, offenbar mit dem Ziel, Abschiebungen nach Syrien wieder massiv ins Rollen zu bringen. Zwischen den Zeilen klingt auch Hilflosigkeit an – als hätte sich die Bundesregierung in ein diplomatisches Spiel verstrickt, um eigene Versäumnisse hinter einer Legitimationsfassade zu verbergen.

Der Besuch von Ahmed al-Scharaa in Berlin sorgt parteiübergreifend für Aufregung, besonders aber bei der Linken. Sie fürchtet eine schleichende Normalisierung von Akteuren, die mit schweren Menschenrechtsverletzungen und gewaltsamer Verfolgung von Minderheiten in Verbindung stehen. Hintergrund sind komplexe geopolitische Dynamiken, in denen Deutschland möglicherweise eigene Interessen, etwa bei der Abschiebepraxis, über moralische und menschenrechtliche Prinzipien stellt. Neben der Debatte um den Berliner Empfang werden derzeit international neue diplomatische Anbahnungen gegenüber Syrien beobachtet; unter anderem setzen sich mehrere arabische Staaten für eine stärkere Reintegration der Regierung in Damaskus ein, obwohl Menschenrechtsorganisationen weiterhin massive Vorwürfe gegen das Assad-Regime und verbundene Kräfte erheben. Nach wie vor ist die Situation für viele Minderheiten in Syrien prekär – Vertreibung, Gewalt und politische Repression sind laut UN und Amnesty International an der Tagesordnung. Zudem wird in Berlin über das Gesamtbild der deutschen Außenpolitik debattiert; nicht wenige fragen, ob Realpolitik derzeit ethische Grundsätze zu leichtfertig opfert.

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