SPD Baden-Württemberg wagt Neuanfang mit jungem Führungsduo

Mit desaströsen Wahlergebnissen im Rücken und frischem Mut will die SPD in Baden-Württemberg unter neuer Leitung einen Bruch mit alten Gepflogenheiten wagen.

heute 12:55 Uhr | 3 mal gelesen

Nach nur 5,5 Prozent bei der letzten Landtagswahl ist in der baden-württembergischen SPD Aufbruchstimmung spürbar – oder vielleicht: das Gefühl, es bleibt eh nichts mehr zu verlieren. Das neue Führungsduo, bestehend aus Isabel Cademartori (MdB) und dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten Robin Mesarosch, kündigt an, ohne Konkurrenz antreten zu wollen – ein Zeichen kollektiver Einigkeit oder vielleicht auch des Mangels an Alternativen. Beide treten mit dem Anspruch auf, die Partei nicht nur jünger, sondern auch kantiger und sichtbarer zu machen. Cademartori formuliert es ziemlich schonungslos: "Bei fünf Prozent muss man sich weniger Sorgen darum machen, wer auf dem Zaun sitzt oder welches Gremium noch zweifelt – sonst geht die SPD vor die Hunde." Mesarosch drückt ähnlich aus, dass liebgewonnene Strukturen jetzt endgültig auf den Prüfstand müssten – es gehe nicht um kosmetische Verbesserungen, sondern um einen klaren Schnitt. Ziel ist es, die Partei im Südwesten wieder unverwechselbar zu machen, womöglich zu polarisieren, aber zumindest die SPD wieder "aufs Spielfeld" zu bringen. Ihre Absichten beschränken sich jedoch nicht nur auf Baden-Württemberg: Cademartori sieht bundesweit Parallelen im freien Fall der Sozialdemokratie und nennt offen ihre Motivation, eine neue Generation wolle das Ruder herumreißen. Sie wirkt dabei durchaus selbstkritisch: "Wir übernehmen Verantwortung, weil wir mit dem Status quo unzufrieden sind."

Die SPD Baden-Württemberg steht nach dem Debakel bei den Landtagswahlen 2024 vor einem radikalen Umbruch: Mit Isabel Cademartori und Robin Mesarosch steht erstmals ein junges, parteiintern eher linkes Team an der Spitze. Die beiden wollen die Partei klarer positionieren – Wählbarkeit durch Authentizität statt verwässerter Kompromisse, so das erklärte Ziel. Die Krise der SPD in Baden-Württemberg ist dabei auch ein Spiegelbild bundesweiter Probleme, das Duo will die Bundesspitze inhaltlich mit antreiben, anstatt sich mit schlechten Zahlen abzufinden. Aktuelle Berichte aus mehreren Medien bestätigen: Massive Verluste der SPD, u.a. bei den letzten Europa- und Kommunalwahlen, haben zu einer grundsätzlichen Debatte über Erneuerung und Profil geführt. Die Zeit drängt: Es geht laut den Neuen nicht nur ums Überleben, sondern um Wiedererkennbarkeit – und das unabhängig von Koalitionsträumen. Neuere Stimmen aus taz, SZ und ZEIT sehen den Kurswechsel ohnehin als längst überfällig, warnen aber auch vor dem Risiko, dass scharfe Zuspitzung Wähler noch mehr irritieren könnte.

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