SPD schickt Traditionsblatt „Vorwärts“ in den Druck-Ruhestand

Nach über hundertfünfzig Jahren verabschiedet sich das traditionsreiche SPD-Magazin „Vorwärts“ aus der Welt des Papiers und setzt künftig alles auf digitale Formate.

heute 12:45 Uhr | 3 mal gelesen

Laut übereinstimmender Medienberichte, die sich auf interne Aussagen aus der SPD beziehen, wird das langgediente Parteimagazin „Vorwärts“ bis auf weiteres nicht mehr regelmäßig auf Papier erscheinen. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf fungiert – wie etliche seiner Amtsvorgänger – weiterhin als Herausgeber. Redaktionsintern spricht man nicht von einem endgültigen Abschied, sondern von einer Metamorphose: „Ein völlig neues Produkt“ sei das erklärte Ziel, heißt es von Verlag und Verantwortlichen. Karin Nink, die Chefredakteurin, sendete dazu eine durchaus emotionale Rundmail an Abonnenten: Sie betont die Notwendigkeit, mit der Zeit zu gehen – zwischen den Zeilen allerdings schwingt bei all den Worten zur Modernisierung auch Wehmut mit. Zum 150. Jubiläum wolle man neue Wege gehen und kündigt den Wandel samt neuem Konzept an. Die Zeit bis dahin werde zur Umgestaltung genutzt, mit Updates auf den üblichen digitalen Kanälen wie Facebook, Instagram, Tiktok, Podcast „SPDings“ und dem Newsletter. Übrigens – eine Randbemerkung wert – waren die allermeisten Leser bislang SPD-Mitglieder. „Vorwärts“ hatte trotz vieler Anläufe und Ideen zur Modernisierung lange mit rückläufigen Zahlen, Kostensteigerungen und allgemeinem Politfrust zu kämpfen. Beim legendären Sommerfest soll das neue Konzept das Licht der Welt erblicken. Was sich letztlich ändert? Redaktion und Verlag bleiben, der Druck geht. Hätte man sich also schon früher trennen müssen? Das bleibt offen.

Der traditionsreiche SPD-Parteititel „Vorwärts“ stellt die regelmäßige gedruckte Ausgabe nach über 150 Jahren ein – ein Schritt, der durchaus symbolisch für die anhaltenden Schwierigkeiten gedruckter Medien im digitalen Zeitalter steht. Gründe liegen laut Presseberichten unter anderem in den erheblichen finanziellen Herausforderungen, verschärft durch rückläufige Auflagen, höhere Produktionskosten und eine schrumpfende Mitgliederbasis der Partei. Der Transformationsprozess ist schon lange Thema in der SPD, wurde aber aus Nostalgie und Unsicherheit immer wieder vertagt; nun setzt man auf ein digitales Format, das im Herbst vorgestellt werden soll. Die Chefredakteurin spricht von Aufbruch und Wandel, aber auch leisen Zweifeln und einer gehörigen Portion Unsicherheit über die Zukunft des einstigen SPD-Flaggschiffs. In aktuellen Pressestimmen wird betont, dass der Wechsel ins Digitale auch Chancen für neue Diskussions- und Beteiligungsformen bietet, aber zugleich ein Traditionsbruch für viele Mitglieder bedeutet. Ebenfalls relevant ist, dass in anderen Pressestimmen diskutiert wird, wie sich diese Entwicklung in die allgemeine Krise gedruckter Parteizeitungen einfügt – vergleichbare Magazine anderer Parteien kämpfen mit ähnlichen Problemen. Außerdem wird hervorgehoben, dass „Vorwärts“ nicht ganz aus dem SPIEL verschwindet: Der Verlag bleibt bestehen, und das Redaktionsteam konzentriert sich jetzt voll auf digitale Kanäle – von Facebook über Tiktok bis Podcast und Newsletter. Das Digitalmagazin könnte, je nachdem wie die Strategie aufgeht, ein neues Publikum erreichen oder noch deutlicher den Rückzug aus der Breite in die Parteilandschaft markieren. Aktuelle Berichte: In der "taz" wird in einem ausführlichen Text dargelegt, wie Parteizeitungen in ganz Europa digitalem Wandel und schrumpfenden Leserzahlen ausgesetzt sind (Quelle: [taz.de](https://taz.de)). Die "FAZ" greift die Symbolwirkung des „Vorwärts“-Einschnitts für klassische Mitgliederbindung der Parteien auf und analysiert, welche Folgen das für politische Meinungsbildung haben könnte (Quelle: [faz.net](https://www.faz.net)). Im "Spiegel"-Artikel wird zusätzlich beschrieben, wie sich jüngere SPD-Vertreter von traditionellen Kursen abwenden und neue Kommunikationswege forcieren. (Quelle: [spiegel.de](https://www.spiegel.de))

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