Deutschland verabschiedet sich vom Besitztum: Spenden und Mieten boomen – Kaufzurückhaltung bleibt groß

Frankfurt, 22. April 2026 – Einer frischen Untersuchung von BearingPoint zufolge gewinnen gemeinsamer Konsum und die Weitergabe von Gütern erneut stark an Bedeutung. Doch hartnäckige Preissensibilität und verbreitetes Misstrauen gegenüber Marken erweisen sich als Bremsklötze für nachhaltiges Einkaufen.

heute 09:04 Uhr | 3 mal gelesen

Das aktuelle Sustainable Retail Barometer von BearingPoint zieht ein durchwachsenes, fast widersprüchliches Bild der deutschen Konsument:innen. Einerseits bekennt sich eine Mehrheit offen zum nachhaltigen Konsum – laut Studie fließen bei 62 Prozent Umweltaspekte in die Kaufentscheidung ein, wobei der EU-Durchschnitt mit 69 Prozent sogar noch höher liegt. Andererseits scheitert die praktische Umsetzung oft am Geldbeutel oder an der Skepsis, ob das jeweilige Produkt tatsächlich hält, was es in Sachen Nachhaltigkeit verspricht. Besonders auffällig: Das Preisgefälle. Nirgendwo in Europa sind die Lager so gespalten zwischen denen, die gerne Aufpreis für Nachhaltigkeit zahlen, und jenen, die partout jeden Cent sparen wollen, wie hierzulande. Was mich überrascht: Zwar will jede und jeder ökobewusster konsumieren – ganz ehrlich, manchmal frage ich mich, ob der Wunsch nicht oft an der Realität des Discounter-Alltags zerplatzt. Im Lebensmittelbereich aber setzt Deutschland positive Maßstäbe, etwa mit dem Griff zu Großpackungen, zur regionalen Karotte oder zum Biobrot. 84 Prozent nutzen Mehrweg- und Pfandsysteme, 83 Prozent bevorzugen regionale Produkte und satte 79 Prozent greifen zu Bio, das sind Spitzenwerte im Europa-Vergleich. Während bundesweit weniger Secondhand-Ware im Handel als früher die Runden macht, erlebt das Mieten einen echten Höhenflug: Schon 58 Prozent mieten Produkte, besonders beliebt bei jungen und besser gebildeten Leuten – dieser Shift vom Besitz zur Nutzung verändert leise aber spürbar die Konsumlandschaft. Spannend ist außerdem, wie etabliert Spenden inzwischen Teil des Alltags sind; vier von fünf geben Dinge lieber weiter, als sie zu entsorgen, besonders im näheren Umfeld. Je jünger und gebildeter, desto selbstverständlicher funktioniert diese neue Wertschätzung des Weitergebens. Letztlich ist klar: Nachhaltigkeit muss sich lohnen, glaubwürdig sein und darf kein Luxusprodukt werden. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, zwischen Premium und Basis nachhaltige Lösungen zu schnüren, die alle mitnehmen. Und trotzdem: Ohne grundlegendes Vertrauen und reale Mehrwerte bleibt nachhaltiges Konsumieren wohl eine Herzensangelegenheit mit Hindernissen.

Die Studie von BearingPoint macht deutlich, dass nachhaltiger Konsum zwar gesellschaftliches Ziel, aber kein Selbstläufer ist. Während der Trend zum Mieten und Spenden klar wächst und Deutschland bei nachhaltigen Lebensmitteln eine deutliche Vorreiterrolle einnimmt, sorgen hohe Preise und Unsicherheiten hinsichtlich echter Nachhaltigkeit für Zurückhaltung. Laut aktuellen Berichten sehen viele Einzelhändler das eigene Vertrauen durch intransparente Lieferketten und Greenwashing in Gefahr, weshalb eine klare Kommunikationsstrategie immer wichtiger wird. Zudem berichten Branchenverbände, dass besonders im Bekleidungs- und Elektronikbereich innovative Mietplattformen für dynamisches Wachstum sorgen – ein Markt, der mit neuen Geschäftsmodellen für Sharing und Reparatur im Kommen ist. Die deutsche Politik diskutiert laut neuesten Medienberichten über Anreize für Unternehmen, zirkuläre Geschäftsmodelle steuerlich zu begünstigen – ein Hebel, der das nachhaltige Angebot weiter stärken könnte.

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